Transport in Fes (Foto: L. Nuphaus)

Marokko besitzt nur wenig eigene fossile Ressourcen. Im Jahr 2008 wurden 98 % des marokkanischen Primärenergiebedarfs von 14,7 Mtoe aus Importen abgedeckt [MVV/Wuppertal Institute 2010, 3]. Diese Abhängigkeit, die auch eine starke Abhängigkeit von den Energiepreisen mit sich bringt, soll in den kommenden Jahren gesenkt werden. Dadurch werden erhebliche Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Landes und auf den Energiemarkt erwartet. Infolgedessen steht Marokko in den Bereichen erneuerbarer Energien und Energieeffizienz vor einem institutionellen und rechtlichen Umbruch.

Tabelle: Wirtschaftsdaten des marokkanischen Energiesektors 2002 – 2009 [MEM 2009]


2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

Steuereinkünfte (Milliarden Dh)

12,0

12,0

12,5

12,5

12,5

15,0

16,0

k.A.

Energiekosten (Milliarden Dh)

19,1

21,4

26,6

37,6

44,4

51,8

70,6

54,2

Investitionen (Milliarden Dh)

5

6

7

10

8

10,

17

k.A.

 

Der Energie- und Wassersektor trägt zu rund 3% zum Bruttoinlandsprodukt Marokkos bei. Im Jahr 2007 haben rund 41.400 Personen (12,4% Frauen) in diesen Sektoren gearbeitet. [HCP 2008]

 

Primärenergieverbrauch

Der Primärenergieverbrauch Marokkos ist in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen (44,5% von 2002 bis 2009) und lag im Jahr 2007 bei 15,1 Mtep [MEMEE 2009, 5]. Auch der Primärenergieverbrauch pro Kopf ist von 2002 bis 2009 von 0,38 auf 0,48 tep/Einwohner angestiegen. Für die kommenden Jahre wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet.

Der Bedarf wird in erster Linie durch Erdöl (60%) und Kohle abgedeckt. Vor allem die Erdölimporte belasten die Außenhandelsbilanz und der Anteil des Erdöls am Primärenergiebedarf soll bis 2030 auf 40% gesenkt werden. Erdgas hat in den letzen Jahren an Einfluss gewonnen und soll bis 2030 zu 30% zur thermischen Stromerzeugung beitragen. Zukünftig sollen 10% des Primärenergiebedarfs aus erneuerbaren Energien abgedeckt werden. Bisher hatte vor allem Wasserkraft mit einem Anteil zwischen 5 und 20% an der Stromerzeugung (je nach Niederschlagsmenge) eine hohe Bedeutung. In den letzten Jahren wurde die Stromproduktion aus Windkraft ausgebaut. [MEMEE 2008]

Biomasse wird insbesondere in Haushalten zum Kochen und Heizen verwendet. Der Anteil am Primärenergieverbrauch kann jedoch nur grob abgeschätzt werden und ist häufig nicht in statistischen Quellen enthalten. Die aktuelle Biomassenutzung erfolgt nicht nachhaltig. [GTZ 2007, 27]

 

Abbildung:   Aufteilung Primärenergieverbrauch Marokko 2009 [MEMEE 2009, 7]


Tabelle:  Primärenergieverbrauch Marokko 2000 – 2007 [HCP 2008, GTZ 2007, 199]

Primärenergieverbrauch Marokko 2000 bis 2007

 

Auch der Primärenergieverbrauch pro Kopf ist in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen:

Tabelle: Primärenergieverbrauch pro Kopf 2002 – 2009 [MEMEE 2009]


2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

Primärenergieverbrauch (toe/Einwohner)

0,36

0,37

0,39

0,40

0,42

0,45

0,47

0,48

 

 

 

Energieerzeugung und Ressourcen

Marokko besitzt nur wenige eigene fossile Ressourcen. Mehr als 90 % des marokkanischen Primärenergiebedarfs werden importiert.

Obwohl Kohle die größte Ressource Marokkos ist, wird diese heute komplett importiert. Die letzte Kohlemine wurde 2001 geschlossen. Kohle wird vor allem für die Stromerzeugung und die Zementherstellung benötigt.

Die Erdölreserven Marokkos werden auf 2 MBl und die Gasreserven auf 1 Gm³ geschätzt.

In Marokko werden zwei Raffinerien betrieben, in denen insgesamt 7.750.000 t Rohöl pro Jahr aufbereitet werden können (Mohammedia 6.250.000 t/Jahr und Kacem 1.500.000 t/Jahr).

Marokko profitiert von der Gasleitung Algerien-Spanien, die seit 1996 in Betrieb ist. Dank dieser Gaspipeline wird das Kraftwerk Tahaddart im Norden Marokkos betrieben. Das Kraftwerk soll zukünftig vergrößert werden und auch große Stadt- und Industriezentren in Marokko mit Gas zu versorgen. [GTZ 2007]

Tabelle:  Energieerzeugung Marokko 2000 bis 2007 [HCP 2008, GTZ 2007]




Endenergieverbrauch

 

Tabelle: Endenergieverbrauch in PJ nach Sektoren 2006 [GTZ 2009]

Endenergieverbrauch im Jahr 2006 PJ

Industrie

10.848

24,9%

Transport

4.723

10,8%

Andere Sektoren davon

Privathaushalte

10.777

24,7%

Gewerbe und öffentlicher Dienst

904

2,1%

Land- und Forstwirtschaft

741

1,7%

Andere

14.407

33,0%

nichtenergetische Nutzung

1.210

2,8%

Gesamt

43.606

100%


Abbildung: Endenergieverbrauch in Marokko nach Energieträgern 2004 [GTZ 2007]

 

Strom

Der Stromverbrauch in Marokko ist in den letzten Jahren stark angestiegen (zwischen 4 und 9% pro Jahr) [MEMEE 2009, 16] und auch in den kommenden Jahren wird weiterhin mit einem starken Anstieg gerechnet.

1995 hat die marokkanische Regierung das Programm zur Elektrifizierung des ländlichen Raums gestartet. Zu Beginn des Programms im Jahr 1995 waren lediglich 18% der ländlichen Regionen Marokkos elektrifiziert. Ende 2009 wurde eine Anschlussrate von 96,5% erreicht [MEMEE 2009, 20], die durch den Ausbau der Stromnetze (91%) und den Aufbau dezentraler Stromnetze (v.a. Photovoltaik 7%) realisiert wurde.

Der Leistungsbedarf stieg von 2.394 MW im Jahr 1999 [MEMEE 2008, 11] auf 4.375 MW im Jahr 2009 [MEMEE 2009, 14]. Der Pro-Kopf-Verbrauch erhöhte sich von 490 kWh/Kopf [GTZ 2007, 36] im Jahr 2000 auf 717 kWh/Kopf im Jahr 2009.

Auf dem Gebiet der Stromerzeugung besteht aktuell ein großes Investitionsdefizit, das durch verstärkte Investitionen in Stromerzeugungs- und -verteilungsanlagen in den vergangenen und in den kommenden Jahren ausgeglichen werden soll. Durch die verzögerten Investitionen bestand im Jahr 2007 ein Defizit von rund 900 MW, das durch Stromimporte aus Spanien (16%) abgedeckt wurde [MEMEE 2008, 13]. Von 2007 bis 2009 wurde die installierte Leistung bereits von 5.292 MW [MEMEE 2008, 11] auf 6.135 MW gesteigert [MEMEE 2009, 14].

Die landeseigene Stromerzeugung basiert hauptsächlich auf fossilen Brennstoffen. Kohle trägt dabei zu mehr als 50% zur Abdeckung des Strombedarfs bei. Erneuerbare Energien (Wasser und Wind) hatten dagegen im Jahr 2007 nur einen Anteil von 7% [MVV/Wuppertal Institute 2010, 3]. Bis 2030 soll 30% des Stroms in thermischen Gaskraftwerken erzeugt werden [MEMEE 2008, 6].

Die marokkanische Stromerzeugung sowie die -übertragung und -verteilung wurde ursprünglich ausschließlich von der staatlichen ONE betrieben. Seit 1999 wird der Markt zunehmend liberalisiert. Heute gibt es bereits einige unabhängige Stromerzeuger, die etwa 60 % des Strombedarfs abdecken [MVV/Wuppertal Institute 2010, 3].

Von den zurzeit knapp 6.000 MW installierter Leistung in Marokko tragen die Wind- und Solarenergie nur zu 5% bei. Für 2020 sollen 42% aus erneuerbaren Energien zur nationalen Stromproduktion erreicht werden [Martin 2010].

Die Kapazität aus Erneuerbaren Energien liegt, je nachdem wie sich der Strombedarf in den kommenden Jahren entwickelt und ob Biomasse in die Stromerzeugung einbezogen wird oder nicht, zwischen 37,2% und 58% [GTZ 2007, 108 ff.].

Tabelle:  Stromerzeugung in Marokko 2002-2009 [MEM 2009, 15]

 

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