„Berberische“ (masirische) Identität

Siedlung im Ourika Tal, Hoher Atlas
(Foto: M. Schnepf-Orth)

Der Anteil der berbersprachigen Bevölkerung, bzw. der sich der berberischen Kultur zugehörig fühlenden Marokkaner, wird auf 40 Prozent geschätzt. Offizielle Zahlen über Berber, arabisierte Berber und arabische Bevölkerung existieren jedoch nicht.

Die marokkanischen Staatsoberhäupter haben die soziokulturelle Realität der berberischen Identität lange Zeit offiziell nicht zur Kenntnis genommen. Seit den 60er Jahren hat deshalb eine verstärkte Rückbesinnung berbersprachiger Bevölkerungsgruppen auf ihre spezifisch berberische Identität eingesetzt (= Berberbewegung/ Berberismus).

Im Jahr 2001 hat König Mohamed VI. in einer Thronrede die nationale Bedeutung der berberischen Sprachen und Kultur offiziell anerkannt, was in der Gründung des „Institut Royal de la Culture Amazighe“ (IRCAM) und der Integration der berberischen Sprache in das Schulsystem mündete.[1] Seitdem werden die drei Berberdialekte des Landes an öffentlichen Schulen unterrichtet. Eine Erhebung des Berberischen auf Verfassungsrang als „zweite Landessprache“ neben Arabisch steht offenbar bevor.[2]

Als „Berber“ oder Masiren werden die Bevölkerungsgruppen Nordafrikas bezeichnet, die vor der Kolonisierung durch Phönizier, Römer und vor den arabischen Eroberungszügen auch auf dem Gebiet des heutigen marokkanischen Territoriums ansässig waren. Das berberische Kulturelement sowie ein spezifisches „berberisches Recht“ im Rahmen der Scharia konnten über die Jahrhunderte aufrechterhalten werden.[3]

Die „Berber“ nennen sich selbst Imazighen (berberisch: Amazigh = freier Mann, Plural Imazighen) und ihre Sprache tamazight. Die  Fremdbezeichnung „Berber“ - von Griechen und Römern begründet und von den arabischen Eroberern übernommen - wird zunehmend abgelehnt, da sie Negativassoziierungen entspringt. Der eingedeutschte Terminus Masiren (von Imazighen) ist bisher jedoch kaum geläufig.[4]

 

Weitere Informationen

 

Belletristik:

 

 

[1] Kratochwil, G. (2002): Die Berberbewegung in Marokko. Zur Geschichte der Konstruktion einer ethnischen Identität (1912-1997). Islamkundliche Untersuchungen Bd. 27. Berlin: 7-9.
[2] Khallouk, M. (2008): Islamischer Fundamentalismus vor den Toren Europas. Marokko zwischen Rückfall ins Mittelalter und westlicher Modernität. Wiesbaden: 134.
[3] Ebenda: 169.
[4] Kratochwil 2002: 8.

 

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