Frauen im Geschäftsleben und in der Politik

Frauenmagazine im Straßenverkauf (Foto: M. Schnepf-Orth)

Deutsche Unternehmensangehörige werden in Marokko nicht nur auf männliche Geschäfts- und Verhandlungspartner treffen, sondern - je nach Sektor und Tätigkeitsfeld - auch überraschend häufig auf Frauen. Weibliche Geschlechterrollen sind sehr unterschiedlich ausgeprägt und nicht ausschließlich einem traditionalistischen, mit dem Islam gerechtfertigten Rollenverständnis zugeneigt. Chancen für eine gesellschaftliche Teilhabe ergeben sich für Frauen im Allgemeinen in Abhängigkeit von Faktoren, wie städtischer oder ländlicher Herkunft, sozioökonomischem Status, Bildung, Erwerbstätigkeit und Familienstand.[1]

Als Konsumentinnen oder Nutzerinnen von Produkten und Dienstleistungen sind Frauen sehr stark in den Umgang mit Ressourcen auf der Ebene der individuellen Haushalte eingebunden. Im Zuge der Einführung neuer Technologien oder Dienstleistungen ist deshalb der Informationszugang, das divergente Bildungsniveau, die Belastbarkeit und das Zeitmanagement von Frauen in städtischen und ländlichen Haushalten sowie ihr Lebensstandard und Lebensstil zu berücksichtigen. Überdurchschnittlich viele Frauen aus ländlichen Räumen sind Analphabetinnen. Im Gegensatz dazu ist bereits ein gutes Drittel der Hochschulprofessuren mit Frauen besetzt[2], und der Anteil der Studentinnen liegt bei rund 46%[3].


Frauen und Erwerbstätigkeit

Der Frauenanteil an den Erwerbstätigen lag 2005 bei insgesamt 27,1%[4], wobei die Masse weiblicher Erwerbstätiger in Sektoren mit niedrigen Löhnen beschäftigt sind[5]. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen wird im Jahr 2007 insgesamt mit 25,7% angegeben.[6]

Insbesondere bei Existenzgründungen von Frauen spielen u.a. Mikrokredite eine große Rolle. Heute betreuen insgesamt 13 zugelassene Organisationen im ganzen Land mehr als eine Million KreditnehmerInnen. Davon waren im Jahr 2006 rund 75 Prozent Frauen. Marokko ist im arabischen Raum und auf dem afrikanischen Kontinent in Sachen Mikrokredite seit einigen Jahren führend.[7] Hinsichtlich umwelttechnischer Investitionen auf Haushaltsebene wäre beispielsweise zu prüfen, inwieweit sie durch eine Mikrokreditvergabe unterstützt werden könnten.

 

Frauen in der Politik

Die politische Repräsentanz von Frauen in Marokko entwickelt sich seit den 90er Jahren positiv. Mit Hilfe einer Frauen-Quote konnten 2002 erstmals 35 Frauen ins Parlament einziehen. Nach der Parlamentswahl im Jahr 2007 übernahmen fünf Frauen einen Ministerposten, darunter Amina Benk-hadra mit dem Umwelt- und Energieministerium ein bedeutendes Ressort.[8] Im Zuge der letzten Kommunalwahlen in 2009 haben 3.406 Frauen ein Mandat erhalten. Die Hälfte von ihnen ist jünger als 35 Jahre und über 70% haben einen Hochschulabschluss. Derzeit hat Marrakesch mit Fatima Zahra Mansouri eine 33-jährige Anwältin als Bürgermeisterin. Zuvor gelang dies nur Asmaa Chaâbi, die von 2003 bis 2009 Bürgermeisterin von Essaouira war.[9]

 

Frauenpolitik

Die Regierung Marokkos hat die Frage der Gleichberechtigung ins Zentrum des gesamten Entwicklungsprozesses gestellt und sich verpflichtet, eine Verbesserung der Lage der Frau zu fördern. So wurden wichtige Reformen durchgeführt, um die rechtliche Lage der Frau zu verbessern. Im Jahr 2004 ist das neue Familienrecht (Moudawana) in Kraft getreten, das Strafrecht wurde geändert und enthält jetzt angemessenere Vorschriften gegen Diskriminierung und Gewalt, eine neues Wahlrecht wurde verabschiedet und das neue, auf dem Grundsatz der Nichtdiskriminierung in den Bereichen Beschäftigung und Löhne und Gehälter gegründete Arbeitsrecht ist in Kraft getreten.

Die nationale Strategie für die Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter („stratégie nationale de l’équité et de l’égalité des sexes“) sorgt dafür, dass Anliegen der Geschlechtergleichheit in die Regierungsprogramme integriert werden.[10]

In Anbetracht dieser Reformpolitik, z.B. auch der Zulassung von weiblichen Religionsgelehrten, kann Marokko innerhalb der arabischen Welt als fortschrittlich bezeichnet werden, auch wenn in der Gesellschaft weiterhin traditionelle Werte tief verankert sind, die eine gleichberechtigte Teilnahme der Frauen in den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Bereichen behindern.

 

Weitere Informationen:

 

 

[1] Ennaji, M./ Sadiqi, F. (2008): Migration and Gender in Morocco: The Impact of Migration on the Women Left Behind. London: 64.

[2] Studienkreis für Tourismus und Entwicklung/ Bliss, F. (2006): Marokko verstehen. Sympathie Magazin. Ammerland: 7.

[3] ENPI- Europäisches Nachbarschafts- und Partnerschaftsinstrument: Marokko. Strategiepapier 2007-2013: 18. http://ec.europa.eu/world/enp/pdf/country/enpi_csp_morocco_de.pdf

[4] Ebenda: 31.

[5] Ennaji, M./ Sadiqi, F. (2008): 76.

[6] Kingdom of Morocco (2008): Millennium Development Goals. National Report 2007: 34.
http://www.hcp.ma/pubData%5CDeveloppementHumainEtObjectifsDuMillenaire%5CDev%5COMDAnglais.pdf

[7] Sabra, M. (2007): Mikrokredite in Marokko Erfolgsrezept gegen Armut? In: Qantara.de/ Dialog mit der islamischen Welt. http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-468/_nr-759/i.html

[8] Schiller, Th./ Konrad Adenauer Stiftung (KAS) (2007): Marokkos neue Regierung: Primat der Kontinuität. http://www.kas.de/wf/doc/kas_12116-544-1-30.pdf

[9] Schiller, Th. (2009): Kommunalwahlen in Marokko: Sieg für die „Königspartei“. http://www.kas.de/wf/doc/kas_16963-544-1-30.pdf

[10] ENPI 2007-2013: 19-20.

 

zurück__________________________________________________weiter