Checkliste zur Anbieterauswahl

 

In der folgenden Übersicht werden Kriterien bereitgestellt, die KMU-Angehörigen die Auswahl von interkulturellen Trainingsangeboten oder Unternehmensberatern für die Vereinigten Arabischen Emirate erleichtern sollen:

  • Anbietertypen/ Trainingsinhalte
  • Ziellandorientierung
  • Branchen-/ Zielgruppenorientierung
  • Trainingsmethoden
  • Trainerprofil
  • Trainingsort
  • Trainingsdauer
  • Referenzen
  • Trainingskosten
  • Kulturkonzepte

 

Anbietertypen

Anhand des angebotenen Leistungsspektrums oder der Trainerprofile können die meisten Trainingsanbieter in Anbietertypen kategorisiert werden. Je nach den Anforderungen des KMU, bzw. dem individuellen Trainingsbedarf der KMU-Angehörigen (Zielgruppe) ist zu prüfen, welcher Anbietertyp mit welchen Schwerpunkten oder Trainingspartnern am besten passt:

  • ein auf interkulturelle Kommunikation und Sensibilisierung ausgerichtetes Training,

  • eine interkulturelle Unternehmensberatung, die Geschäftsanbahnungen und Geschäftskommunikation in den Vordergrund stellt,

  • Anbieter, die gleichermaßen mehrere Schwerpunkte bedienen können,

  • Seminaranbieter, die ‚offene’ Seminare mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen veranstalten.

Soll z. B. ein langfristig zu entsendender Mitarbeiter für die interkulturelle Kommunikation mit unterschiedlichen sozialen Gruppen der VAE sensibilisiert und darauf vorbereitet werden, seinen Lebensmittelpunkt in ein arabisch/südasiatisch/britisch etc. geprägtes Umfeld zu verlegen, so ist die Wahl eines Anbietertyps zu favorisieren, dessen Leistungsspektrum die Schwerpunkte der interkulturellen Kommunikation, interkulturellen Sensibilisierung und Eigenreflexion enthält.

Geschäftsreisende, die zum ersten Mal in die VAE reisen, benötigen hingegen eher praktische Hinweise, wie Kontakte und Beziehungen aufgebaut werden können. Sofern die Gründung einer Niederlassung beabsichtigt ist, stehen andere interkulturelle Fähigkeiten im Vordergrund, z.B. Anforderungen an Auslandsmanager, Führungskompetenzen, Bildung oder Coaching von internationalen Mitarbeiterteams etc.. Für Unternehmensangehörige, die schriftlich, telefonisch, virtuell oder persönlich mit Kontaktpersonen kommunizieren wollen, oder die eine Betreuung von Delegationen aus den VAE übernehmen, stehen Kommunikationsstile, Zeitmanagement und anderes im Vordergrund.

 

Ziellandorientierung

Sowohl den langfristig zu Entsendenden als auch den Kurzzeit-Geschäftsreisenden wird die Auswahl eines spezifisch auf die VAE zugeschnittenen interkulturellen Trainings empfohlen. Die arabischen Länder – und auch die Golfstaaten - unterscheiden sich in ihrer Geschichte, Politik, Wirtschaft und der Zusammensetzung ihrer Bevölkerung erheblich. Ebenso unterscheiden sich innerhalb und zwischen den sieben Emiraten der VAE und ihrer Geschäftszentren die Zusammensetzung der Bevölkerung und der Erwerbstätigen, die Macht- und Interessenverflechtungen, die Wirtschaftskraft sowie Entwicklungs- und Wertvorstellungen.

Je nach Sektor und Geschäftsebene trifft man in Geschäftskontakten auf Angehörige verschiedener Herkunftsländer, auch wenn sich die Entscheidungsträger in der Regel aus der Gruppe der Einheimischen rekrutieren. Ein beachtlicher Anteil der Führungskräfte hat einen Bildungs- oder Berufsabschluss in Nordamerika oder Europa erworben und ist in der Lage, verschiedene Kommunikationsstile nutzbringend einzusetzen.

Ein interkultureller „Crashkurs“ für den gesamten arabischen Kulturraum (länderübergreifend) kann höchstens als erster Einstieg dienen oder aber solchen KMU-Angehörigen behilflich sein, die mit der Betreuung von Besuchergruppen aus der Region oder mit schriftlicher und telefonischer Geschäftskommunikation befasst sind.

 

Branchen-/ Zielgruppenorientierung

Die Homepages der meisten Trainingsanbieter umgehen eine Festlegung auf bestimmte Branchen, Sektoren oder Zielgruppen, um das Spektrum der potenziellen Klienten nicht von vornherein einzuschränken. Jedoch bieten die meisten Trainingsanbieter maßgeschneiderte oder zielgruppengerechte Kompetenztrainings an, die zusammen mit den Unternehmen entwickelt werden.

So sollte, je nach Trainingsbedarf, geprüft oder nachgefragt werden, inwieweit der Anbieter einen Branchenbezug in die Themen und Fallbeispiele des Trainings integrieren kann. Ebenso sollte bei einem maßgeschneiderten Training darauf geachtet werden, dass die spezifischen Voraussetzungen, Interessenlagen und Einsatzfelder der Trainingsteilnehmer berücksichtigt werden.

Offene Seminarangebote können in der Regel nicht in ausreichendem Maße die Bedürfnisse einer spezifischen Zielgruppe oder einer Branche thematisieren.

 

Trainingsinhalte

Die meisten Trainingsanbieter positionieren sich zwischen der Vermittlung interkultureller Kompetenzen und der interkulturellen Unternehmensberatung. Positiv fallen solche Anbieter auf, die bereits auf ihrer Homepage die Einsichtnahme in mögliche Trainingsinhalte und –abläufe ermöglichen.

Die Inhalte eines maßgeschneiderten Trainings werden jedoch individuell vereinbart, je nach Bedarf des Unternehmens. Beispielsweise werden für die Zielgruppe der Geschäftsreisenden eher praktische Informationen vermittelt. Für die Zielgruppe der Fachkräfte, die für eine längere Zeit in die VAE entsendet werden, kann hingegen das Thema der Eigenreflexion (Abschied, Hoffungen, Widersprüche, Wohlbefinden etc.) schätzungsweise ein Viertel der Trainingszeit in Anspruch nehmen. Hinzu kommen Themen des Kontaktmanagements, der Führungskompetenzen, des Konfliktmanagements etc..

siehe auch: Spektrum interkultureller Trainingsleistungen zum Geschäftsverhalten

 

Trainingsmethoden

Die Frage des Methodeneinsatzes ist abhängig von dem Erfahrungsstand der Teilnehmer und insbesondere dann wichtig, wenn interkulturelle Sensibilisierung und Verhaltenskompetenzen (Verhaltensänderungen) als Lerneffekte beabsichtigt sind. Dann stehen neben den informatorischen vor allem die interaktiven Trainingsmethoden im Vordergrund: z. B. Interaktionenanalyse, interkulturelle Planspiele, Interkulturelle Tandem-Projekte, interkulturelle Fallstudien, Trainingsvideos etc.

 

Trainerprofil

Informationen über den Erfahrungshintergrund des jeweiligen Trainers dienen als Anhaltspunkt, inwieweit ein Trainingsanbieter zu den Anforderungen des Unternehmens passt. Will man zusätzlich eine unabhängige Bewertung des Trainers/Anbieters in Erfahrung bringen, empfiehlt es sich (branchenverwandte) Unternehmen zu kontaktieren, die von den Anbietern als Referenzen genannt werden. Unter den VAE-Trainingsanbietern verfügen nur sehr wenige über Trainer aus den Emiraten. Manche bieten jedoch Trainings- oder Beratungsleistungen vor Ort an.

Verschiedentlich wird empfohlen, dass Trainer mit einer Herkunft aus dem jeweiligen Zielland über einen bikulturellen Hintergrund verfügen sollten, um die Kultur des Ziellandes auch aus der Fremdperspektive wahrnehmen zu können. Einige Anbieter setzen deshalb Trainer-Tandems ein bzw. besetzen Teilnehmergruppen multikulturell.

 

Trainingsort

In der Regel ist es kostengünstiger, die maßgeschneiderten Trainings in den Räumen des Unternehmens durchzuführen (inhouse). Die Nähe zum Arbeitsalltag birgt jedoch die Gefahr der Ablenkung von den Trainingsinhalten.

Einige Trainingsanbieter für die VAE bieten ihre interkulturellen Trainings-, Coaching- oder Beratungsleistungen auch vor Ort an. Das hat den Vorteil, dass Situationen „life“ erlebt werden können und nicht simuliert, gespielt oder virtuell herbeigeführt werden müssen. Die Trainingsteilnehmer haben einen direkten Bezug zu dem kulturellen Kontext und können die Trainingsinhalte mit eigenen Erfahrungen verknüpfen.

Beispielsweise werden Trainingseinheiten für Geschäftsreisende in Restaurants oder Hotels in Dubai oder Abu Dhabi verlegt, um das Auftreten von „Playern“ wahrnehmen und analysieren zu können. Behördengänge oder erste Geschäftstreffen werden begleitet und die Klienten erhalten zwischenzeitlich Feedbacks von ihren interkulturellen Beratern.

 

Trainingsdauer

Die Dauer eines VAE Einstiegs-Moduls, mit einer Schwerpunktsetzung auf informatorischen Methoden, sollte nicht länger als eintägig angelegt sein, um einerseits Lernerfolge zu erzielen und anderserseits die Teilnehmer nicht zu überfordern. Vertiefungsmodule können sich dagegen über einen Zeitraum von zwei Tagen erstrecken. Sofern ein ausreichendes Zeitfenster zur Verfügung steht, sollte ein Training in Intervallen einem Training mit langen Trainingszeiten vorgezogen werden. Für Sprachtrainings ist mit wesentlich längeren Lernzeiten zu rechnen.

 

Referenzen

Fast alle Anbieter listen Unternehmen oder Institutionen als Referenzen auf ihrer Homepage auf. Doch lässt sich daran i.d.R. keine Zielgruppenorientierung oder Branchenspezifik erkennen, da gerne große oder bekannte Klienten genannt werden. Die Kontaktaufnahme mit den angegebenen Referenzen bietet jedoch eine gute Möglichkeit, sich über Erfahrungen anderer Unternehmen mit dem jeweiligen Trainingsangebot zu informieren.

 

Trainingskosten

Je nach Anzahl der Teilnehmer, dem Trainingsort und der Trainingsdauer können maßgeschneiderte Trainingsangebote kostengünstiger ausfallen als z.B. der Besuch offener Seminare. Die Anbieter bringen dabei ihre Tagessätze in Ansatz (z.B. 1500,- EUR + Spesen + MwSt.). Die Kosten für offene Seminare bewegen sich zwischen 200,-€ (bei Veranstaltungen der IHKs) und 790,-€ pro Teilnehmer/Tag.

 

Kulturkonzepte

Ein Trainingsanbieter sollte darlegen können, welches Verständnis von Kultur dem Training zugrunde gelegt wird, und Auskunft über Vor- und Nachteile bzw. Unzulänglichkeiten des verwendeten Kulturkonzeptes geben. Da Kultur ein hochkomplexes soziales Konstrukt darstellt, tendieren viele Trainer dazu, vereinfachende, geschlossene oder „essentialistische“ Kulturkonzepte zu verwenden.

Demnach wird Kultur oft als fixierter und geschlossener Rahmen von Verwandtschaft, Religion, Geistesgeschichte oder Territorium (Nation) definiert, der ein Individuum maßgeblich prägt. Zentrale Maßstäbe und Orientierungsmerkmale dieser (monokulturellen) „Nationalkulturen“ oder „Leitkulturen“ werden dabei als „Kulturstandards“ bezeichnet.

Diesen enger gefassten Kulturbegriffen stehen Positionen gegenüber, die Kulturen als offene, dynamische und heterogene Systeme begreifen. Kultur wird demnach in von Machtverhältnissen bestimmten menschlichen Aushandlungsprozessen hergestellt. Kulturen präsentieren sich dabei durch beliebige, mehr oder minder große Kollektive oder Milieus, die nach außen durch offene Netzwerkverbindungen charakterisiert sind. Eine Community im Internet stellt in diesem Sinne ebenso eine Kultur dar, wie es bei einem Nationalstaat der Fall ist. Durch den offenen Netzwerkcharakter der jeweiligen Kollektive wird vor allem die Dynamik und Wandelbarkeit von Kulturen betont.

 

Weitere Informationen:

 

 

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