Warum Kenntnisse der Do’s und Don’ts alleine nicht ausreichen

(Foto: M. Schnepf-Orth)

Mittels eines gewissenhaften Selbststudiums kurzgefasster Verhaltensregeln für die Golfregion kann man sich auf eine Begegnung mit Angehörigen arabischer Herkunftsländer vorbereiten, sofern sich Geschäftspartner oder Kontaktpersonen stereotyp und in Übereinstimmung mit den „arabischen“ Kulturstandards verhalten.

Als pragmatische Hinweise sind Do’s und Don’ts entsprechend vereinfachend und verallgemeinernd angelegt, um Kenntnisse in kurzer Zeit zu vermitteln. Sie stellen damit einen verhaltensleitenden Überbau dar, ohne die Zusammenhänge der Entstehung bestimmter Verhaltenspraktiken erklären zu können. Leser der Do’s und Don’ts, die über keine Erfahrungen in dem jeweiligen Zielland (oder der Zielregion) verfügen, können diese Empfehlungen nicht mit eigenen Erlebnissen oder Wahrnehmungen verknüpfen. Es fällt deshalb schwer, das theoretische Wissen über ein angemessenes Verhalten in adäquates Handeln vor Ort umzusetzen. Aus diesem Grund bedienen sich interkulturelle Trainings interaktiver Methoden, um Erfahrungen durch Simulationen oder Fallbeispiele vorab erlebbar zu machen.

Do’s und Don’ts können nicht in ausreichendem Maße dafür sensibilisieren, dass sich ein Geschäftsverhalten des Verhandlungspartners - je nach Kontaktperson oder situationsabhängig – verändert, oder dass Geschäftspartner unter Umständen zwischen Kommunikations- und Verhandlungsstilen hin und her wechseln. Möglicherweise verhält sich ein Ansprechpartner im Zielland auch anders, als in den „arabischen“ Kulturstandards beschrieben.

Do’s und Don’ts zielen auf eine schnelle Erfassung einer Zielkultur und tendieren deshalb dazu, die Überlappungen, Vernetzungen und Veränderungsdynamiken von Kulturen zu ignorieren. So spiegeln sich die vielfältigen soziokulturellen Strukturen und Lebensstile der VAE-Gesellschaft in einer multikulturellen Geschäftslandschaft und stellen höhere Anforderungen an den Aufbau von Geschäftsbeziehungen und Netzwerken als in Ländern mit einer homogeneren Bevölkerung. Dieser Vielfalt können Do’s und Don’ts für den „arabischen“ Kulturraum nicht gerecht werden.

Gegenüber dem Selbststudium von Do’s und Don’ts eröffnen interkulturelle Kompetenztrainings größere Verhaltenspielräume, die es ermöglichen auf verschiedene personelle Konstellationen zu reagieren oder die vom Geschäftspartner präferierten Geschäftspraktiken zu erkennen. Sie können dazu beitragen, größeres Verständnis für ungewohnte Verhaltensweisen aufzubringen, sich eloquenter im Aufbau von Beziehungen und Netzwerken zu bewegen und damit letztlich auch das eigene Wohlbefinden steigern.

 

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