Infokasten: Nationalisierungspolitik und Stellenbesetzung - Quotierung der Arbeitskräfte

Die Emiratisierungspolitik des Arbeitsmarktes ist u.a. eine Reaktion auf die demographische Entwicklung, wonach in wachsendem Maße junge Arbeitskräfte der VAE-Staatsangehörigen auf den lokalen Arbeitsmarkt drängen. Dabei fordert die „Emiratisation“ sektorweise die Erfüllung einer Quote emiratischer Mitarbeiter (alternativ wird die Zahlung von Strafen fällig), um auch im privaten Wirtschaftssektor eine Zunahme emiratischer Arbeitskräfte zu erreichen und den öffentlichen Sektor von einer übermäßigen Personalausstattung zu entlasten (Rehman: 197).

 Das bedeutet konkret, dass bei den in Abu Dhabi tätigen Firmen zu 30% VAE-Staatsangehörige beschäftigt sein müssen. Wird diese Quote nicht erfüllt, erfolgen Strafzahlungen in Höhe von 50% des Gehalts der ‚überschüssigen’ Nicht-Emiratis. Gewerbeansiedlungen in den Freihandelszonen sind von diesen Regeln ausgenommen. Im öffentlichen Sektor liegt die Emirati-Quote bei 60%. Gut ausgebildete junge Arbeitskräfte aus anderen arabischen Herkunftsländern die zum Teil schon in der 2. Generation in den VAE leben, fühlen sich von dieser Arbeitsmarktpolitik strukturell benachteiligt.

 Offensichtlich sind auch Vorbehalte gegenüber emiratischen Arbeitskräften und aus dem mittleren Osten im privaten Wirtschaftssektor verbreitet. Beispielsweise wird den zwar gut ausgebildeten Emiratis nachgesagt, dass sie hohe Gehälter erwarteten und im Vergleich zu anderen qualifizierten Arbeitskräften weniger „wegschafften“. Diese Vorbehalte werden von einzelnen deutschen Gesprächspartnern zwar als Klischee zur Sprache gebracht, von diesen jedoch aus ihrer eigenen Erfahrung nicht bestätigt. Es wird hingegen auf die Vorteile der lokalen Vernetzung hingewiesen, die sich durch eine Stellenbesetzung mit Emiratis ergeben können. Dennoch wird auch von Regierungsseite ein „negative stereotyping of locals“ im privaten Wirtschaftssektor erwähnt (UAE Yearbook 2009). Nicht zuletzt deshalb ist im Zuge der Nationalisierungspolitik eine bevorzugte Stellenbesetzung für VAE-Staatsangehörige intendiert. Verbleibende Stellen sollen in zweiter Priorität mit Staatsangehörigen des Gulf Cooperation Councils (GCC) und in dritter Linie mit Angehörigen anderer arabischer Herkunftsländer besetzt werden (UAE Yearbook 2009: 212-218).

 

Die Balance einer strategisch vorteilhaften Personalbesetzung ist für Unternehmen nicht immer einfach herzustellen. Es erfordert einen Abwägungsprozess zwischen den Fähigkeiten international erfahrener und belastbarer ausländischer Arbeitskräfte einerseits und den Schwierigkeiten der Personalbeschaffung einheimischer Arbeitskräfte andererseits, deren Kenntnisse und Beziehungen sich für einen langfristigen Unternehmenserfolg vorteilhaft auswirken können.

Beim Anwerben emiratischer Arbeitskräfte konkurrieren private Unternehmen mit dem öffentlichen Sektor, der kürzere Arbeitszeiten, mehr Urlaubstage, Stabilität und attraktive Pensionszahlungen garantiert (Rehman: 201). Das Stellenangebot multinationaler oder ausländischer Unternehmen für einheimische Fachkräfte richtet sich deshalb schwerpunktmäßig an eine spezifische Gruppe von jungen emiratischen Erwerbstätigen, die internationale Arbeitserfahrungen und Herausforderungen suchen, gerne englisch sprechen und Standards international agierender Unternehmen schätzen.

 

Quellen:

Rehman, Aamir A. (2007): Dubai & Co.: Global Strategies for Doing Business in the Gulf States. New York.

UAE Yearbook 2009 http://www.uaeinteract.com/uaeint_misc/pdf_2009/data/engl_yearbk_09.pdf

 

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