Interessenspolitik, Identitäten und Konkurrenz der Emirate

Modell des geplanten Cultural District in Abu Dhabi
(Foto: New York Times 01.02.2007)

Die Emirate konkurrieren miteinander mehr oder weniger direkt und pflegen deutlich ihre verschiedenen Identitäten. Auch unterscheiden sich die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen und Voraussetzungen der einzelnen Emirate sehr. Detailliertere Kenntnisse darüber können Entscheidungshilfen geben, inwieweit ein Produkt oder ein Kooperationsvorhaben zu den Voraussetzungen des jeweiligen Emirats passen, ob eine Niederlassung gegründet werden kann oder wie es sich dort leben lässt.

 

Das Knüpfen von Kontakten und Beziehungen setzt einen Einblick in die jeweilige Führungsriege der einzelnen Emirate voraus sowie in soziale, wirtschaftliche und politische Verflechtungen, die untereinander und im Hinblick auf andere Interessengruppen gepflegt werden. Eine aus westlicher Sicht ungewohnt enge Verflechtung von politischen und geschäftlichen Interessen der Herrscherhäuser ist zu beobachten.

 

Die Geschäftsinteressen werden dabei nicht immer losgelöst von den Interessen der Familie, persönlichen Netzwerken oder Traditionen wahrgenommen. „Government, indeed, is really an equities management team led by three top players who compete with one another to earn the highest returns for al-Maktoum.“ (Davis: 61). Die Konkurrenz der Emirate untereinander wird beispielsweise auch darin deutlich, dass von Firmen, die im Emirat Abu Dhabi Umsätze machen, im Gegenzug eine Reinvestition in eine Niederlassung oder einen Repräsentanten in Abu Dhabi erwartet wird (Janzir: 46).

 

Dubai pflegt ein stärker westlich beeinflusstes Image im Vergleich zu dem größeren, wirtschaftlich potenteren und politisch einflussreicheren Emirat Abu Dhabi sowie den anderen Emiraten. In Abu Dhabi hingegen wird mehr arabisch gesprochen und konservative Werte werden geschätzt, jedoch ohne strenge Vorschriften zu forcieren (Rehman: 110). Abu Dhabi grenzt sich deutlich von Dubais Image ab und setzt auf die Bewahrung traditioneller Kultur und sozialer Strukturen, jedoch mit einer Offenheit gegenüber visionären „Neuerungen“, wie z.B. der Förderung kultureller und ökologischer Projekte. Dabei verfolgt das Emirat den Anspruch, weltweit führend zu werden.

 

Beispielsweise sollen im „Cultural District“ auf der Insel Saadiyat westliche Bildungs- und Kunstetablissements in spektakulärer moderner Museumsarchitektur angesiedelt werden (UAE Yearbook 2009: 167). Mit dem Vorzeigeprojekt der energieautarken und CO2 freien Stadt Masdar strebt Abu Dhabi eine internationale ökologische Vorreiterrolle an. Aufgrund seiner Ressourcen zeigen sich die Investitionen in Abu Dhabis Regierungsprojekte zudem weniger empfindlich gegenüber der Wirtschaftskrise als in Dubai.

 

Quellen:

Davis, Mike (2006): Fear and Money in Dubai. In: New Left Review 41: 47-68. http://newleftreview.org/?view=2635

Fattah, Hassan: Celebrity Architects Reveal a Daring Cultural Xanadu for the Arab World. In: New YorkTimes, 1.02.2007. http://www.nytimes.com/2007/02/01/arts/design/01isla.html?pagewanted=1&_r=2

Janzir, Amin (2007): Managerwissen kompakt: Golfstaaten. München.

Rehman, Aamir A. (2007): Dubai & Co.: Global Strategies for Doing Business in the Gulf States. New York.

UAE Yearbook 2009. http://www.uaeinteract.com/uaeint_misc/pdf_2009/

 

Weitere Informationen:

Kratochwil, G.: „Zu wenig Insiderwissen“ in: Die 10 Lieblingsfehler im Umgang mit arabischen Geschäftspartnern. http://www.osnabrueck.ihk24.de/produktmarken/international/Downloads/Dr.Kratochwil-Lieblingsfehler.pdf

Website der Masdar Initiative: www.masdaruae.com

Video: “The Future of Masdar City” (Foster + Partners) http://www.npr.org/templates/story/story.php?storyId=90042092.

Ouroussoff, Nicolai: A Vision in the Desert. In: New York Times, 1.02.2007. http://www.nytimes.com/2007/02/01/arts/design/04ouro.html?pagewanted=1

 

 

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