Internationale Herkunft potenzieller Geschäftspartner und Arbeitskräfte

"Hindi Lane" in Dubai (Foto: M. Schnepf-Orth)

Je nach Sektor und Geschäftsebene sollte man in Geschäftskontakten nicht unbedingt damit rechnen auf Emiratis zu treffen, auch wenn sich die Entscheidungsträger in der Regel aus der Gruppe der Einheimischen rekrutieren.

Qualifizierte ausländische Mitarbeiter mit ausgezeichneten Englischkenntnissen aus dem Libanon, Ägypten, Jordanien und anderen arabischen Ländern stellen die Mehrheit des mittleren Managements und der Verwaltung in den Geschäftsbüros der VAE. Beispielsweise wurden bei Kontakten mit Behörden und Organisationen des Umweltsektors insbesondere Fachkräfte aus Ägypten als Gesprächspartner angetroffen. Hingegen bevorzugen die in der Regel sehr gut ausgebildeten Emiratis eine Beschäftigung im öffentlichen Sektor ihres Landes, aus Gründen des Status, der Arbeitsplatzsicherheit sowie der Arbeitszeiten.

Ein beachtlicher Anteil von emiratischen Führungskräften hat einen Bildungs- oder Berufsabschluss in Nordamerika oder Europa erworben. In den letzten drei Dekaden wurden zehntausenden Studenten aus den Golfstaaten ein Studium im Ausland ermöglicht, insbesondere in den USA. Dieser Trend ist allerdings in den letzten Jahren – mit wachsenden Anteilen junger Bevölkerung – wieder rückläufig (Rehman: 190).

Neben ausländischen Erwerbstätigen aus vielen arabischen Herkunftsländern ist ein Zusammentreffen mit europäischen, nordamerikanischen oder indischen Fach- und Führungskräften im privaten Wirtschaftssektor der Emirate ebenfalls wahrscheinlich.

Von allen westlichen Ländern hat Großbritannien die tiefsten Verbindungen zu den VAE. So leben etwa 120.000 Briten in den Emiraten. Seit 2002 haben mehr als 100.000 Engländer Wohneigentum als Erst- oder Zweitwohnsitz in Dubai erworben. Entsprechend viele Angehörige der Commonwealth Staaten, wie z.B. Südafrikaner, sind vertreten – alleine in Dubai schätzungsweise 45.000 (Rehman: 89).

Indische Fachkräfte leben zum Teil schon in der dritten Generation im Land und besetzen Stellen in nahezu allen Branchen und auf allen Ebenen. Zahlreiche gut ausgebildete Inder haben sich als erfolgreiche Geschäftsleute in Dubai etablieren können. Insbesondere Dubai wird von Südasiaten wegen guter Verdienstmöglichkeiten und einem hohen Lebensstandard als attraktiv angesehen, „while retaining the cultural feel of being in India, Pakistan, or Bangladesh.“ (Rehman: 86). So werden in den Geschäften in Dubai durchaus Hindi und Urdu gesprochen, insbesondere in asiatischen Vierteln.

Auch die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen den VAE und Indien verzeichnen große Zuwächse. Südasiatische Fachkräfte haben dabei dennoch vergleichsweise stärkere Bindungen zum ihrem jeweiligen Herkunftsland behalten, als Arbeitskräfte aus den MENA Ländern, bedingt durch die Sprachbarriere, die Religion und die institutionellen Mechanismen des Einbürgerungsverfahrens (Rehman: 85).

Die Angehörigen einzelner Nationen, vorwiegend Inder, Ägypter, Libanesen und andere Asiaten, haben in Dubai und in der ganzen GCC-Region (Gulf Cooperation Council) untereinander sehr gut funktionierende Netzwerke. Sie sind für Geschäfte in dieser Region nicht zu unterschätzen (Janzir: 62).

Nach der Revolution im Iran 1979 entwickelte sich Dubai zum Fluchtpunkt für viele Exil- Iraner und in jüngerer Zeit als Wohn- und Geschäftsbasis für wohlhabende Iraner, die bis zu 30% des gegenwärtigen Immobilienhandels in Dubai kontrollieren (Davis: 56). Ca. 500.000 Saudis besuchen Dubai mindestens einmal pro Jahr. Es wird geschätzt, dass sie alleine im Jahr 2004 mindestens 7 Billionen USD in Dubais große Immobilienprojekte investiert haben (Davis: 59).

Die unterste Ebene der sozioökonomischen Hierarchie der „Gastarbeitergesellschaft“ besetzen die breiten Massen der kleinen Geschäftsleute und der einfachen Arbeiter aus Asien (Al-Hamarneh: 358) sowie eine große Anzahl von Haushaltshilfen, die von den Philippinen, aus Sri Lanka oder Indien kommen. Der Anteil südasiatischer Arbeiter wird in den VAE auf 60% geschätzt (Rehman: 85). Auf den Baustellen finden sich vor allem indische und pakistanische Arbeitskräfte. Von Gesprächspartnern in den VAE wurde darauf hingewiesen, dass mitunter zwischenstaatliche Konflikte einiger Herkunftsländer die Zusammenarbeit der Gastarbeiter auf der Baustelle behindern; eine Herausforderung, in der sich eine Bauleitung möglicherweise bewähren muss.

 

Quellen:

Al-Harmarneh, Ala (2007): Vereinigte Arabische Emirate. In: Weiss, W.M. (Hrsg.): Die arabischen Staaten. Geschichte, Politik, Religion, Gesellschaft, Wirtschaft. Heidelberg: 350-366.

Davis, Mike (2006): Fear and Money in Dubai. In: New Left Review 41: 47-68.

http://newleftreview.org/?view=2635

Janzir, Amin (2007): Managerwissen kompakt: Golfstaaten. München.

Rehman, Aamir A. (2007): Dubai & Co.: Global Strategies for Doing Business in the Gulf States. New York.

 

Weitere Informationen:

Infokasten: Sozioökonomische Struktur der VAE-Gesellschaft

Infokasten: Arbeitsbedingungen einfacher Arbeitskräfte

Infokasten: Nationalisierungspolitik und Stellenbesetzung

 

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