„Es gibt keine klaren Strukturen“ – Zuständigkeiten ermitteln

Mogamma: Behördenzentrum an Kairos
Tahrir-Platz (© M. Schnepf-Orth)

 

„Ägypten ist bis heute die Mutter aller Bürokratien geblieben.“ [1] In der 5000 Jahre alten ägyptischen Zivilisation  konnte mit Hilfe der Bürokratie ein Staatswesen entstehen, in dem die lebenswichtige Nilbewässerung für die Felder zentral organisiert wurde. [2]

Heute muss in Ägypten mit Kompetenzüberschneidungen in den Behörden gerechnet werden. Den richtigen Ansprechpartner auf der richtigen Verwaltungsebene zu finden wird dadurch erschwert. Mitarbeiter ohne Entscheidungsbefugnisse tendieren dazu, klare Zusagen zu umgehen. Es spart deshalb viel Zeit, die entscheidenden Akteure zu ermitteln und persönlich anzusprechen. „Ein Produkt bei einer ägyptischen Behörde registrieren zu lassen, kann drei Jahre oder drei Monate dauern.“ So bedarf es eines guten Kontaktnetzes und ausreichender Informationen über behördliche Abläufe, um beispielsweise Güter einzuführen und insbesondere zügig aus dem Freihafen herauszubekommen. Um diese Barrieren zu überwinden, bietet sich die Zusammenarbeit mit ägyptischen Geschäftspartnern an.
Zudem bedeuten die verbreiteten hierarchischen Entscheidungsstrukturen auf ägyptischer Seite für deutsche Unternehmensangehörige, dass sie selbst über weitgehende Entscheidungskompetenzen verfügen sollten, um von den Gesprächs- und Verhand-lungspartnern ernst genommen zu werden. Das Eingeständnis einer geringen Entscheidungskompetenz kommt bei ägyptischen Verhandlungspartnern nicht gut an.

Eingefahrene administrative und politische Entscheidungsstrukturen können den Transfer von Technologien in Ägypten entscheidend erschweren. Am Beispiel der Erneuerbaren Energien zeigt sich vorwiegend im staatlichen Sektor, dass „Decision-makers have grown up in a fossil fuel world and institutions are designed accordingly.” [3] Beispielsweise sind für die Energiegewinnung aus Biomasse zunächst drei Ministerien zuständig (Ministry of Environment, Ministry of Local Development und Ministry of Agriculture), ohne klare Zuständigkeiten. Die kompetentesten Akteure für Biomasse sind hingegen im „Agriculture Research Centre“ anzutreffen, einer Forschungseinrichtung. Das Ministry of Electricity and Energy indessen wird von Ingenieuren dominiert, die den Zugewinn der Energiegewinnung aus Biomasse gegenüber fossilen Energieträgern im Allgemeinen unterbewerten. Dabei basieren die institutionellen Hindernisse häufig auch auf der historischen Entwicklung des Energiesektors. So hat die Einrichtung der „New and Renewable Energy Authority“ (NREA) seit 1986 bisher wenig an der Hauptverantwortlichkeit im Elektrizitätssektor verändert, der von der Egyptian Electricity Holding Company (EEHC) dominiert wird. Innerhalb der NREA hat die für Biomasse zuständige Abteilung einen schwachen Stand. [4]

 

[1] El-Gawhary (2008): Alltag auf arabisch. Nahaufnahmen von Kairo bis Bagdad.Wien: 99.

[2] Ebenda.

[3] Umweltbundesamt (Hrsg.) (2007): Promoting Renewable Energy Technologies in Developing Countries through the Clean Development Mechanism: 81-82 (Länderstudie Ägypten), http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/studie_ee_cdm_en.pdf (20.08.2010).

[4] Ebenda.

 

 

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