Kairo - Megacity und Metropolregion

Nil und Nildelta, der Großraum Kairo als hellster Fleck
(Foto: Nasa, nachrichten.t-online.de/spektakulaere-bilder-aus-dem-all-die-erde-bei-nacht/id_43410460/index)

 

Kairo – al-Qāhira (die Siegreiche), auch als „Mutter der Welt“ (Umm al-Dunya) oder mit dem Landesnamen Misr (hocharabisch) bzw. Masr (ägyptisch-arabisch) bezeichnet - zählt neben Lagos (Nigeria) zur größten Megastadt Afrikas. Laut Einwohnerzensus des Jahres 2006 leben 16 Millionen Einwohner in der Stadt, lokale Experten hingegen halten die Zahl von 20 Millionen für realistischer. [1] Je nach Institution und Definition der metropolitanen Fläche Kairos schwanken die Bevölkerungsangaben. Fest steht indessen, dass ein Viertel der ägyptischen Bevölkerung im Großraum Kairo lebt. [2] „Greater Cairo“ setzt sich aus Stadtgebieten der fünf Gouvernorate Kairo, Giza, Qalyoubia, 6th of October und Helwan zusammen.

Die Größe der Stadt wahrzunehmen gelingt am ehesten über die Betrachtung von Satellitenaufnahmen. Dabei ist die Ausdehnung der Siedlungsfläche in die landwirtschaftlich genutzten Flächen und angrenzenden Wüstengebiete deutlich zu erkennen, ebenso wie die Lage am Nil,  Ägyptens Lebenslinie. [3] Das Bevölkerungswachstum der Stadtregion hat sich in den letzten 20 Jahren verlangsamt, die Bevölkerungszahlen der Kernstadt gehen sogar zurück, wohingegen die der Städte und Dörfer im weiteren Umland Kairos stark zunehmen. Alexandria, Suez, Port Said und Damietta weisen beispielsweise ein höheres Bevölkerungswachstum auf. [4] Die innerstädtischen Gebiete Kairos dienen zwar immer noch als erste Zielregion für ländliche Zuwanderer, die sich jedoch danach im Großraum Kairos und darüber hinaus verteilen. Dabei ist eine Tendenz zur Peripherie, insbesondere in die Governorate Giza im Westen und Qalyoubiya im Norden zu verzeichnen. Auch die mittleren Einkommensgruppen tendieren dazu, die Kernstadt im Zuge der Wohneigentumsbildung und zugunsten besserer Wohnbedingungen in den suburbanen Stadtgebieten zu verlassen.

Die Entdichtung der Innenstadt wurde durch Stadterweiterungsmaßnahmen und durch die Errichtung von neuen Städten im Umland Kairos forciert. Mit der Auslagerung von Industrieanlagen, Institutionen und Wohngebieten an autogerechtere Standorte sollte Kairos Kernstadt von Zuwanderung und zunehmender Konzentration von gewerblichen Nutzungen entlastet werden. Allerdings scheint sich eine Mehrheit der Ägypter das Wohnen in den neuen Städten nicht leisten zu können. Dennoch begünstigen die Entlastungs- oder „Satellitenstädte“, zusammen mit dem wirtschaftlichen Bedeutungsgewinn sekundärer Städte im Umland Kairos, massive Pendlerströme im Großraum Kairo und seinem Umland.

Zuwanderungsprozesse und die laufende Urbanisierung der Peripherie führen zu dem Phänomen, dass sich heute die Hälfte der gesamten ägyptischen Bevölkerung in einem Radius von 80 bis 90 Kilometern um Kairo konzentriert. Die Fahrzeiten für Pendler betragen innerhalb dieses Einzugsbereichs bis zu drei Stunden täglich. Die nördlich an Kairo angrenzende Region des Nildeltas erbringt in 12 Städten ca. 85% der jährlichen Industrie-produktion. Dieses Städtenetz ist als hierarchisches System von Wachstumspolen und –korridoren strukturiert. Die jeweilige Funktion der Städte unterstützt dennoch weiterhin Kairos dominierende und steuernde Stellung innerhalb dieser Metropolregion, trotz Auslagerungs-, Restrukturierungs- und Privatisierungsprozessen der Industrie. [5]

Obwohl die Entfernung zwischen Kairo und Alexandria, der zweitgrößten Stadt, ca. 200 km beträgt, wird das Zusammenwachsen der beiden Stadtregionen zu einer riesigen Nildelta-Metropole prognostiziert, zumal eine kontinuierliche Ausbreitung von Wohngebieten im Süden Alexandrias sowie im Norden Kairos bereits stattfindet. [6]

 

 

[1] Kipper, R. (2009): Cairo: A Broader View. In: GTZ (Hrsg.): Cairo’s Informal Areas. Between Urban Challenges and Hidden Potentials. Participatory Development Programme in Urban Areas (PDP). Cairo: 13-15, 13, http://www.citiesalliance.org/ca/sites/citiesalliance.org/files/CA_Docs/resources/Cairo%27s%20Informal%20Areas%20Between%20Urban%20Challenges%20and%20Hidden%20Potentials/CairosInformalAreas_fulltext.pdf (20.07.2011).

[2] Singerman, D./Amar, P. (2006): Contesting Myths, Critiquing Cosmopolitanism and Creating the New Cairo School of Urban Studies. In: Dies. (Hrsg.): Cairo Cosmopolitan. Politics, Culture, and Urban Space in the New Globalized Middle East. Cairo, New York: 1-46, 20.

[3] Kipper, R. (2009): a.a.O. (Anm.1): 15.

[4] UNDP/ The Institute of National Planning (2008): Egypt Human Development Report 2008: 36, http://www.undp.org.eg/Portals/0/2008%20Egypt%20Human%20Development%20Report%20Complete.pdf (17.05.2010).

[5] Vignal, L./ Denis, E. (2006): Cairo as Regional/Global Economic Capital? In: Singerman, D./ Amar, P. (Hrsg.): Cairo Cosmopolitan. Politics, Culture, and Urban Space in the New Globalized Middle East. Cairo, New York: 122-132.

[6] UN-Habitat (2004): State of the World’s Cities: Trends in Middle East & North Africa. In: Ders.: State of the World's Cities 2004/5. Globalization and Urban Culture,
http://ww2.unhabitat.org/mediacentre/documents/sowc/NorthAfrica.pdf (05.05.2010).

 

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