Bedeutung der sozialen Reputation

Vorbilder (© M. Schnepf-Orth)

 

Im Allgemeinen müssen Frauen erheblich mehr als Männer auf ihr Auftreten und ihren moralischen Status achten, um ihr soziales Ansehen nicht zu gefährden. Seit den 1970er Jahren ist in den Mittel- und Oberschichten Ägyptens mindestens der Anschein von Religiosität für Frauen zu einem Zeichen ihrer Anständigkeit und ihrer fortlaufenden Akzeptanz traditioneller, weiblicher Ideale geworden.

Das Kopftuch übernimmt dabei eine wichtige Brückenfunktion im Zugang zu Männerdomänen und vor allem der Lohnarbeit. Das Tragen des Kopftuchs bedeutet nicht nur einen Anpassungs-effekt, sondern auch die Einforderung eines respektvollen Verhaltens von Männern. Die äußerlich erkennbaren Symbole der Religiosität/Moral stellen für Frauen eine hohe Belastung dar, da sie unter dauernder Beobachtung stehen.

Denn über die soziale Reputation der Frau und deren Kontrolle erwerben auch ägyptische Männer einen Großteil ihres eigenen sozialen Status, während die Übertretungen sozialmoralischer Vorgaben bei Männern geringer geahndet werden. Diese Situation ist von gesellschaftlicher Doppelmoral gekennzeichnet. Junge Frauen bedienen teilweise nur oberflächlich die sozialmoralischen Standards, um nicht ausgegrenzt zu werden und lockern zuweilen (mit Ausnahme des Kopftuchs) die Standards einer bedeckenden Bekleidung.  [1]

 

[1] El Siofi, M. H. (2009): Der Westen – ein Sodom und Gomorrah? Westliche Frauen und Männer im Fokus ägyptischer Musliminnen. Sulzbach: 67-70.

 

 

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