Armut

 

Zwar hatte sich die Einkommenslage der Lohn- und Gehaltsempfänger vor der nationalen Wirtschaftskrise Anfang des Jahrtausends verbessert und die allgemeine Arbeitslosenzahl auf einen Stand von 8,3% in 2006 verringert,  dennoch erhöhte sich die Armutsrate im Zeitraum von 2000 bis 2006 auf 19,6% der Bevölkerung. Wesentliche Gründe dafür finden sich in der Inflation und Erhöhung der Lebensmittelpreise sowie in Einkommensverlusten der Selbständigen, der Familienbetriebe und der Beschäftigten im informellen Sektor. Armut ist unter den mithelfenden Familienangehörigen in Städten und auf dem Land sowie in der Gruppe der saisonal beschäftigten Lohnarbeitskräfte in ländlichen Gebieten besonders ausgeprägt. [1]

Die globale Wirtschaftskrise hat soziale Spannungen und Arbeitsstreiks zusätzlich verstärkt. So partizipierten im Jahr 2009 63 Mio. Menschen am Subventionsprogramm für Nahrungsmittel, gegenüber 38 Millionen in 2008 [2], nachdem sich zuvor die Brotpreise verfünffacht hatten und Massenproteste stattfanden. Dies hatte eine 30%ige Erhöhung der Gehälter im öffentlichen Sektor zur Folge. [3] Allerdings kommt ein hoher Anteil der subventionierten Lebensmittel und Energiepreise auch weniger armen Haushalten zugute. [4] Es wird geschätzt, dass die städtische Armut im Gouvernorat Kairo von 4,6 auf 7,6% der städtischen Haushalte bis 2015 zunehmen wird. [5]

Regionale wie soziale Disparitäten sind ausgeprägt. In Oberägypten leben nur 25% der ägyptischen Bevölkerung, jedoch konzentrieren sich hier 66% der Haushalte unter der nationalen Armutsgrenze und 95% der ärmsten Dörfer. In den 1.000 ärmsten Dörfern Ägyptens leben durchschnittlich mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Dies korrespondiert mit einer höheren Arbeitslosigkeit und Analphabeten-quote sowie mit einem Mangel an infrastrukturellen und sozialen Leistungen. [6] Zielsetzung der staatlichen Armutsbekämpfungsprogramme ist, eine Reduzierung der Armut von 20% auf 6% der Bevölkerung bis 2022 zu erreichen. [7]

 

[1] UNDP/ The Institute of National Planning (2008): Egypt Human Development Report 2008: 32, http://www.undp.org.eg/Portals/0/2008%20Egypt%20Human%20Development%20Report%20Complete.pdf (17.05.2010).

[2] European Commission (2010): Implementation of the European Neighbourhood Policy in 2009 - Progress Report Egypt, Brussels: 9, http://ec.europa.eu/world/enp/pdf/progress2010/sec10_517_en.pdf (08.05.2010).

[3] Abdel-Maguid, M. (2010): Food crises and national security. In: Al-Ahram Weekly On-line, 12 - 18 August 2010 Issue No. 101, http://weekly.ahram.org.eg/2010/1011/focus.htm.

[4] Attia, S. (2008): Poverty eradication in Egypt. Al-Ahram Weekly On-line, 6 - 12 November 2008 Issue No. 921, http://weekly.ahram.org.eg/2008/921/op13.htm.

[5] UNDP/ The Institute of National Planning (2008), a.a.O. (Anm. 1): 41.

[6] Ebenda: 53.

[7] European Commission (2010), a.a.O. (Anm. 3): 8.

 

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