Abfallwirtschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Abfall in den VAE

Industrielle Entwicklung, Bevölkerungswachstum, gesteigerte Städtebauentwicklung und ein gehobener Lebensstil führen zu einem steigenden Abfallaufkommen in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das tägliche Abfallaufkommen von 3,4 – 3,8 kg pro Kopf [Beeah 2009] zählt zu einem der höchsten der Welt.

Obwohl die Zusammensetzung des Abfalls weitestgehend biologisch abbau- und recyclebar ist (52% Speisereste, 16% Papier, 14% Kunststoffe und 7% Glas) [Beeah 2009], wird dennoch der überwiegende Anteil des Abfalls auf Mülldeponien abgelagert. Im Vergleich zu den anderen Staaten der Region sind die VAE gleichwohl im Abfallbereich schon relativ weit vorangeschritten.

Für medizinischen Abfall gelten seit 2002 gesonderte Regeln. Während der Abfall bis zu diesem Zeitpunkt noch auf Deponien gelagert wurde, muss er seither getrennt von Haushaltsabfällen in von den Stadtverwaltungen besonders gekennzeichneten Abfallcontainern gesammelt werden [CITD 2007].

Die Sammlung wird in den Emiraten Ajman, Sharjah und Dubai von Privatunternehmen übernommen, welche den Abfall den städtischen Verbrennungsöfen zuführen, während sich die Emirate Umn al Quwain, Fujairah und Ras al Khaimah selbst um die Enstorgung kümmern [Ukradeinvest 2010].

Krankenhäuser, die dem Gesundheitsministerium angehören, sind für den Transport ihres Abfalls zu den Verbrennungsöfen selbst verantwortlich.

 

Abfall in Abu Dhabi

Allein im Emirat Abu Dhabi fielen in den Jahren 2007/2008 ca. 5,9 Millionen Tonnen Abfall an [CWM 2010]. Pro Kopf wurden hier schon vor 15 Jahren täglich 1,76 kg Abfall produziert [Abu Qdais 1997].

Um das Abfallsystem zu verbessern, errichtete die Regierung Abu Dhabis im Dezember 2008 das Zentrum für Abfallmanagement (Centre of Waste Management, kurz CWM). CWM ist sowohl für die Kontrolle als auch für die Koordination des Abfallmanagements in Abu Dhabi zuständig.

Der Abfall der Greater Abu Dhabi Area wird auf der Mülldeponie Al Dhafra entsorgt, die für eine Aufnahmekapazität von 450-730 Tonnen/Tag konzipiert wurde, auf der es aber keine Brückenwaage und somit keine Aufzeichnung über die Menge der angelieferten Abfälle gibt. Im Westen Abu Dhabis existiert eine Anzahl kleinerer Deponien, die insgesamt täglich etwa 342-409 Tonnen Abfall aufnehmen.

Die Stadt Al Ain hat zur Zeit 4 kleine Deponien in den Teilgemeinden Al Wagan, Al Hayer, Al Khazna und Sweihan in Betrieb. Auf diesen Deponien wurden insgesamt ca. 350.000 – 500.000 Tonnen landwirtschaftliche Abfälle abgelagert. Daneben existieren inoffizielle Deponien in der Wüste, auf denen auch weiterhin Abfälle abgelagert werden.

Die Deponien in Al Dhafra und in der Region Al Ains können auf Grund zahlreicher Mängel internationale Standards nicht erfüllen. Zu diesen Mängeln zählen u.a.:

  • Mangelhafte Bauweise
  • Gefährdung der Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter
  • Verunreinigung von Grundwasserressourcen
  • Unkontrolliertes Abladen von flüssigen und gefährlichen Stoffen

Im  Jahr 2004 fielen in Abu Dhabi zudem 6.000 bis 12.000 Tonnen gefährlicher Abfall an. Gemäß Artikel 5 Nr. 2 des Law Nr. 21 (2005) for Waste Management in Abu Dhabi Emirate, haben die Abfallproduzenten dafür Sorge zu tragen, dass gefährliche und ungefährliche Abfälle getrennt werden.

Die Behandlung von gefährlichem Abfall steht in Abu Dhabi erst am Anfang; bisher gibt es nur sehr wenige Anlagen, die diese Art von Abfall behandeln können.

Für die Entsorgung von gefährlichem Abfall sind die Environmental Service Providers (EPSs) zuständig. Diese sind mit der Sammlung, Lagerung, Behandlung und Endlagerung dieser Abfälle beauftragt. Geregelt ist dies in Artikel 3 Nr. 6 des Law Nr. 21 (2005) for Waste Management in Abu Dhabi Emirate. Die EPSs erhalten hierfür eine Lizenz der Competent Authority, dies ist in diesem Fall die Environment Agency Abu Dhabi (EAD).

Eine Endlagerstätte für gefährlichen Abfall findet sich neben der ehemaligen Deponie Zakher in Al Ain. Die Ölindustrie entsorgt ihren Abfall selbst. Eine Behandlungs- und Endlagerstätte ist in Ruwais im Bau [CITD 2010].

Für radioaktive Abfälle gilt u.a. das Federal Law Nr. 1 (2002) Regulation and Control of the Use of Radioactive Sources and Protection against their Hazards.

 

Abfall in Dubai

Im Emirat Dubai fallen täglich ca. 10.000 Tonnen Abfall an [Goumbook 2010]. Für die Behandlung und Deponierung der Abfälle ist die Stadtverwaltung Dubais (Dubai Municipality) zuständig. Ein erheblicher Teil der Entsorgung wird jedoch von privaten Abfallunternehmen durchgeführt. So wurde im Jahr 2003 ca. 49% der gesamten Abfallsammlung von Privaten übernommen, im Jahr 2004 waren es bereits 53% und 70% im Jahr 2009 [CITD 2010].

Weiterhin werden die Privatunternehmen in die Sammlung von Bauschutt einbezogen und führen auch die Sammlung von gefährlichem und medizinischem Abfall durch [Uktradeinvest 2010].

Die organisierte Erfassung von recyclebaren Abfällen durch Privatunternehmen hat bereits in den frühen 90er Jahren begonnen und wird auch heute weitergeführt [CITD 2010]. So errichtete beispielsweise die Emirate Environmental Group so genannte Recycling Center, in denen man Abfälle zur Wiederaufbereitung abgeben kann.

Seit kurzer Zeit finden sich auch neben Bushaltestellen in Dubai Recyclingcontainer, deren Inhalt durch die Stadtverwaltung entsorgt wird. Die Abfälle werden allerdings nicht der Verwertung zugeführt, sondern zusammen mit herkömmlichen gemischten Abfällen auf einer Deponie abgelagert [Raouf 2010].

Die Stadtverwaltung Dubais unterhält  Abfalldeponien an fünf unterschiedlichen Standorten im Emirat. Auf drei Anlagen wird ausschließlich kommunaler Abfall deponiert. Ein Standort ist speziell für Bauschutt vorgesehen, während gefährlicher Abfall in der Jebel Ali Hazardous Waste Treatment Facility behandelt und entsorgt wird [KleanIndustries 2006].

2006 errichtete die Stadtverwaltung Dubais die Recyclinganlage Tadeweer (= arabisch recycling), die zur Zeit täglich 4.000 Tonnen städtischen Abfalls auf 6 Sortierlinien verarbeitet. Die Anlage soll zukünftig weitere 3.000 Tonnen Kommunalabfälle pro Tag verarbeiten können [Adiabat 2010]. Tadweer ist nicht nur die einzige Recyclinganlage in Dubai, sie ist zudem in der Lage 79% des angelieferten Abfalls zu behandeln. Die verbleibenden 21% werden einer Deponie zugeführt. Es werden Papier, Plastik, Metall und Glas für die Wiederverwertung aussortiert. Es soll zusätzlich Strom aus dem Abfall gewonnen werden [Goumbook 2010].

Zur Zeit werden etwa 7.000 Tonnen Abfall auf den Deponien Al Ghusais, Jebel Ali, Lehbab und Hatta gelagert. Mit einer Aufnahmekapazität von 6.000 Tonnen Abfall pro Tag stellt Al Ghusais die größte Deponie dar.

 

Abfall in Sharjah

In Sharjah fallen täglich etwa 2.000 Tonnen Haushaltsabfälle an (ca. 2,5 kg Abfall pro Person und Tag). Der Abfall wird auf die Al Saja’a Waste Management Site überführt, welche von der Emirate Environmental Technology Co. LLC und der Sharjah Environmental Company geführt wird. Die Anlage hat eine Aufnahmekapazität von ca. 25 Mio. m3. Die Menge des angelieferten Abfalls steigt jährlich um ca. 14% [CITD 2010].

Die Handhabung von medizinischen Abfällen ist in diesem Emirat bislang nicht geregelt. Die Sharjah Environmental Company, die für den gesamten Feststoffabfall in Sharjah zuständig ist, ist auch mit der Entsorgung der medizinischen Abfälle betraut. Bislang wurden diese Abfälle verbrannt [Ukradeinvest 2010].

 

Abfall in Ras Al Khaimah

2004 fielen im Emirat Ras Al Khaimah etwa 208.050 Tonnen Feststoffabfall an. Das Emirat entwickelte das erste integrierte Abfallmanagementprogramm in den Vereinigten Arabischen Emiraten, das auf den US EPA Standards beruht.

Der gesammelte Abfall wird in einer Materialrückgewinnungsanlage sortiert; recyclebare Stoffe können der Wiederverwertung und verbleibende Materialien einer Deponie zugeführt werden.

Die Deponie verfügt über ein Gasrückgewinnungssystem, das 2001 in Betrieb genommen wurde und ebenfalls die US EPA Standards erfüllt. Bioabfall, Strauch- und Baumschnitt sowie Bauschutt werden zur Zeit noch auf einer inaktiven Deponie gelagert. Sie sollen aber in Zukunft auch vermehrt recycelt werden [CITD 2010].

 

Abfall in Fujairah

Im Jahr 2005 sammelte die Stadtverwaltung Fujairahs etwa 50.000 Tonnen Siedlungsabfall. Davon wurden etwa 49% der Fujairah Fertilizers Factory (Düngerfabrik Fujairahs) zugeführt, der Rest wird deponiert. Die Düngemittelfabrik wurde 1986 in Zusammenarbeit mit einer italienischen Firma errichtet und befindet sich im Staatseigentum.

Weiterhin plant die Regierung Fujairahs die Errichtung einer neuen Kompostieranlage, die aus Feststoffabfall und Schlickrückständen Düngemittel hoher Qualität herstellen soll. Die Bearbeitung des Schlicks findet in einem Faulturm statt, in dem der Schlick in Methan, Wasser und stabilen Restschlamm umgewandelt wird. Das entstehende Methan liefert die Energie für den Betrieb der Anlage [CITD 2010].

 

Abfall in Umn Al Quwain

Über die Abfallsituation in Umn Al Quwain liegen nur wenige Informationen vor. Das Emirat beschäftigt für die Entsorgung des städtischen Abfalls keine Privatunternehmen. Medizinischer Abfall wird von Privatunternehmen gesammelt und an städtische Müllverbrennungsanlagen überführt [Ukradeinvest 2010].

Weiterhin besteht zwischen dem Emirat und einem Privatunternehmen ein Vertrag über den Bau einer Abfallbeseitigungsanlage. Sie soll eine Fläche von 240.000 m2 einnehmen und den internationalen Standards genügen [CITD 2010].