Arabisch-ägyptische Identität - Abgrenzungen gegenüber nubischer Bevölkerung und „Afrikanern“

Motorboot-Liniendienst auf dem Nil, Kairo
(© M. Schnepf-Orth 9/2010)

 

Vorstellungen einer multikulturellen Gesellschaft oder ethnischen Pluralität werden in Ägypten politisch nicht thematisiert und spielen auch in der öffentlichen Diskussion keine große Rolle. Die nationale Politik der Einbürgerung zeigt ein ethnisch-orientiertes Verständnis der ägyptischen Gesellschaft: Zuwanderer oder Flüchtlinge aus dem Ausland sind nicht berechtigt, die Staatsbürgerschaft zu erwerben, ungeachtet ihrer Aufenthaltsdauer im Land, ihrer Einkommensverhältnisse und Verdienste für die Gesellschaft. Das dominante arabisch-zentrierte Verständnis der ägyptischen Identität kommt in staatlichen Medien, schulischen Lehrplänen oder Literatur zum Ausdruck und begünstigt tendenziell die Marginalisierung nicht-arabischer ägyptischer Minderheiten, wie die ägyptischen Nubier.[1]

In Ägypten fungiert die Hautfarbe per se nicht als Basis kollektiver Identitäten. Allerdings wird die Bevölkerung aus der südägyptischen Region Nubien als „Schwarze“ oder „Afrikaner“ (im Sinne subsaharischer Herkunft) stigmatisiert. Dahinter steckt die populäre Abgrenzung der Ägypter als kulturell und zivilisatorisch höherstehend gegenüber subsaharischen Afrikanern. Die faktische Herkunft und Geschichte der ägyptischen Nubier ignorierend, wird dabei eine schwarzafrikanische Herkunft im Zuge des Sklavenhandels (als Sklaven) oder ein Bezug zu gegenwärtigen transsaharischen Migrantenströmen unterstellt.

Als Teil dieser gängigen Stereotypisierung wird zugleich der Nimbus einer untergeordneten Stellung in der städtischen Klassengesellschaft konstruiert, u.a. weil nubische Ägypter als Zuwanderergruppe in die Städte zunächst überwiegend als Haushaltshilfen oder Wächter beschäftigt waren. De facto ist die nubische Bevölkerung jedoch sozial heterogen. Nicht zuletzt hat sich im Zuge der Errichtung des Assuan-Staudamms und durch umfassende Umsiedlungsmaßnahmen der in diesem Gebiet ansässigen nubischen Bevölkerung deren Bildungsstand deutlich verbessert. Ähnliche Wirkungen wurden durch die Land-Stadt Migration hervorgerufen.[2]


[1] Al-Sharmani, M./Grabska, K. (2009): African Refugees and Diasporic Struggles in Cairo. In: Singerman, D. (Hrsg.): Cairo Contested. Governance, Urban Space and Global Modernity. Cairo, New York: 463

[2] Smith, E.A. (2006): Place, Class, and Race in the Barabra Café. Nubians in Egyptian Media. In: Singerman, D./ Amar, P. (Hrsg.): Cairo Cosmopolitan. Politics, Culture, and Urban Space in the new Globalized Middle East. Cairo, New York: 400-401.


 

 

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