Erneuerbare Energien

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Ägypten bietet ein großes Potential für Erneuerbare Energien. Insbesondere für die Nutzung der Wind- und Solarenergie sind die natürlichen Gegebenheiten hervorragend, aber auch in der Biomassenutzung sind Fortschritte zu verzeichnen. Aufgrund der relativ geringen Öl- und Gasvorräte ist die Nutzung der Erneuerbaren Energien ein wesentlicher Baustein in der ägyptischen Energiepolitik. Die ägyptische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 20% des ägyptischen Strombedarfs durch sauberen Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. [State of Environment Report 2008]

Um den privaten Sektor an der Entwicklung des erneuerbaren Energiesektors verstärkt zu beteiligen, hat die Regierung rund 7.600 m² Wüstenland für Projekte bereitgestellt. Die Genehmigungen für die Flächennutzung erfolgen über die Behörde für Neue und Erneuerbare Energien (NREA).

Die ägyptische Regierung sieht weitere Maßnahmen zur Förderung des Sektors der erneuerbaren Energien vor:

  • Eine Umweltverträglichkeitsstudie, inklusive einer Vogelzugstudie, die von der NREA angefertigt wurde
  • Das finanzielle Risiko für die Investoren soll durch die Unterzeichnung eines langfristigen Power Purchase Agreement (PPA) reduziert werden. Gleichzeitig bürgt die Regierung für die finanziellen Verpflichtungen des öffentlichen Sektors
  • Die Einführung der Erneuerbaren-Energien-Technologien ist zollfrei [BMWi/AHK 2010, 5]

Tabelle: Energienutzung in Ägypten [BMWi/AHK 2010, 2]



Gesetzlicher Rahmen

Der Energiemarkt in Ägypten ist weitgehend in staatlicher Hand. Private Investoren können allerdings bereits seit 1996 (Gesetz Nummer 100) eine Konzession zur Errichtung und für den Betrieb von Kraftwerken beantragen.

Das neue Energiegesetz regelt die Verantwortlichkeiten und den Zugang zum ägyptischen Elektrizitätsmarkt. Zudem enthält es Vorgaben zur Nutzung erneuerbarer Energien sowie zur Energieeffizienz. Der Anteil an erneuerbaren Energien soll mittels Ausschreibungen erhöht werden und mit dem ägyptischen „Energy Strategic Plan“ abgestimmt sein. Der erzeugte Strom wird vom Netzbetreiber EETC ins Netz eingespeist. Die Einspeisevergütung wird für 15 Jahre gezahlt und darf sich nicht mehr als um 2% pro Jahr verringern.

 

Wasserkraft

Abbildung: Entwicklung der aus Wasserkraft erzeugten Energie 2005- 2010 [EEHC 2010, 22]

Wasserkraft wird in Ägypten seit der Errichtung des Assuan Stausees 1960 zur Erzeugung von Elektrizität genutzt. Die drei Wasserkraftwerke Assuan I, Assuan II und der Assuan–Hochdamm tragen insgesamt mehr als 11%  zur elektrischen Energieerzeugung bei [KfW 2011].

In Ägypten sind derzeit Wasserkraftwerke mit einer Leistung von 23.000 MW installiert. Die Leistung wird unter anderem durch die folgenden Kraftwerke erbracht:

Tabelle: Wasserkraftwerke und ihre Leistung in Ägypten [BMWi/AHK 2010, 3]

Anlagen Leistung in MW
Assuan Hochdamm 2.100
Wasserkraftwerk Assuan I 270
Wasserkraftwerk Assuan II 270
Esna Damm 90
Naga Hamady Damm 94

 

Ein weiteres Wasserkraftwerk mit einer Leistung von 32 MW ist am Assiut-Staudamm in Planung. Die Inbetriebnahme wird voraussichtlich 2016 erfolgen [EEHC 2010, 23]. Die Errichtung des Staudamms sowie des Kraftwerks sind Teil eines von der KfW finanzierten Projektes. Damit soll die Wasserversorgung zur Bewässerung eines Gebietes von 672.000 Hektar sichergestellt werden [EPO 2010].

 

Windkraft

Ägypten weist ein großes Potential für die Nutzung der Windenergie auf. Insbesondere an der Küste am Golf von Suez herrschen Windgeschwindigkeiten von durchschnittlich über 10 m/s, so dass hier Strom zu sehr geringen Gestehungskosten erzeugt werden kann. Das Potential allein dieser Region wird auf 20.000 MW geschätzt [Jensch 2011].  Ökonomisch realisierbar ist die Erzeugung von 90 TWh pro Jahr. Das entspricht ca. 70% der gesamten Stromproduktion Ägyptens, die im Jahr 2008 bei 931 GWh lag [IEA 2008].

Bis 2020 sollen Windkraftprojekte mit einer Kapazität von 2.750 MW umgesetzt werden [Mortensen et al. 2005, 2]. Entsprechende Ausschreibungen für Windparks im Jahr 2011 sollen u.a. in Kooperation mit der  KfW-Entwicklungsbank erfolgen. Die Privatwirtschaft wurde aufgerufen 1.370 MW an Windkraftleistung zu entwickeln. Nach dem Sturz von Präsident Mubarak im Februar verzögern sich die geplanten Ausschreibungen voraussichtlich bis nach den Neuwahlen [DENA 2011]. Derzeit beträgt die installierte Kapazität an Windenergieanlagen 490 MW. Dazu trägt unter anderem der Windpark in Zaafarana 430 MW bei. Der Windpark Zaafarana wurde über finanzielle Unterstützung von Spanien, Dänemark und Deutschland realisiert. Es werden pro Windpark insgesamt 300 GWh für das nationale Netz produziert und dadurch etwa 620.000 t CO2 vermieden [BMWi/AHK 2010, 3].

Ein Windpark ("Golf von El Zayt") mit einer Leistung von 200 MW befindet sich aktuell in Planung. Die Projektkosten werden auf 340 Mio. Euro (2.720 Mio. Ägyptische Pfund) geschätzt. Deutschland stellt mit einem KfW-Darlehen von 192 Mio. Euro den höchsten Anteil der Finanzierung. Die Europäische Kommission gibt einen Zuschuss in Höhe von 30 Mio. Euro und die Europäischen Investitionsbank (EIB) stellt ein Darlehen über 50 Mio. Euro bereit. Der ägyptische Eigenbeitrag liegt bei 68,5 Mio. Euro (20%) [Umweltdialog 2010].

Entwicklung der Windkraft in Ägypten 2005- 2010 [EEHC 2009/10, 28]

Solarenergie

Solarenergie ist das zweite Standbein der auf erneuerbaren Energien basierenden Energiepolitik Ägyptens. Die Einstrahlung der Sonnenenergie beträgt nach dem ägyptischen Solaratlas auf zwei Drittel des Landes mehr als 6,4 kWh pro m² und Tag. Pro Jahr lassen sich auf einen Quadratmeter ca. 2.300 kWh Strom erzeugen [Marks 2009].

Theoretisch könnte auf 0,1% der Landesfläche genug Strom für ganz Ägypten erzeugt werden. Da mehr als 60% der Landesfläche aus weitestgehend ungenutzter Wüste besteht, wäre dies technisch sogar umsetzbar. Aktuell wird die Solarenergie nur in geringfügigem Maß genutzt. Zu nennen ist vor allem das solarthermische Hybridkraftwerk Al Kuraymat, mit einer Gesamtleistung von 150 MW, von denen 20 MW auf Solarenergie und 120 MW auf Erdgas entfallen. [Comsan 2010, 7]

Darüber hinaus wird eine weitere Solarenergieanlage in '6th of October City' errichtet. Aktuell sind ca. 5 MW Photovoltaik zur Stromproduktion installiert [Marks 2009].

Die Warmwasserproduktion erfolgt häufig mit solaren Warmwassersystemen. Insgesamt sind in Ägypten 200.000 solcher Anlagen in Betrieb. Für solarthermische Anlagen sind vom Gesetzgeber Standards gesetzt worden. Der Einsatz wird von der NREA unterstützt [BMWi/AHK 2010, GTZ 2007].

 

Biomasse

Biomasse wird in Zukunft ebenfalls einen Beitrag zur Stromproduktion Ägyptens leisten. Die ägyptische Landbevölkerung gewinnt mehr als 70% der genutzten Energie aus dem Verbrennen von Pflanzen und getrocknetem Dung. Der Wirkungsgrad der traditionellen Öfen, mit denen die Biomasse verbrannt wird, ist mit 5-10% äußerst niedrig [GTZ 2007, 13]. Die Gesamtmasse wird jährlich auf 60 Mio. Tonnen geschätzt. Dies entspricht einem Energiewert von 855 Mio. GJ bzw. 20 Mtoe pro Jahr [AHK 2010, 2].

Auf staatlicher und kommunaler Ebene sind einige Projekte zur energetischen Nutzung der kommunalen und landwirtschaftlichen Abfälle (Gaserzeugung und Verbrennung) vorgesehen. In einer Anlage in El-Gabal El-Asfer wird bereits Biogas aus Klärschlamm gewonnen. Die Anlage hat eine Leistung von 23 MW [Marks 2009].

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