Energiedaten

 

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Der algerische Energiemarkt wird von den landeseigenen Erdgas- und Erdölvorkommen bestimmt. Die Energiekosten sind sehr niedrig.  Der Energieeffizienz und den erneuerbaren Energien wurden deshalb lange Zeit keine Bedeutung beigemessen. Sie spielen jedoch eine zunehmende Rolle in der algerischen Politik. Durch die Ausschöpfung von Energieeffizienzpotenzialen und den Ausbau erneuerbarer Energien soll die Haupteinnahmequelle des Landes geschont, die Energieversorgung langfristig abgesichert und neue Arbeitsplätzen geschaffen werden.

 

Primärenergieverbrauch

Der Primärenergieverbrauch in Algerien wird von den hohen landeseigenen Reserven an Erdöl und Gas dominiert. 2008 wurden mit Erdgas 60,8 % des Primärenergiebedarfs (22,5 ktoe) und mit Erdöl 37 % (13,7 ktoe) gedeckt. Trotz des hohen Potenzials der erneuerbaren Energien, insbesondere der Solarenergie, trugen diese lediglich zu 0,2 % zur Abdeckung des Primärenergiebedarfs bei. 0,1 % (0,04 ktoe) entfallen dabei auf Wasserkraft und 0,1 % (0,04 ktoe) auf brennbare Erneuerbare Energien und Abfälle. [IEA 2010]

Von 1990 bis 2003 stieg der Primärenergieverbrauch im Mittel jährlich um 2,5% an. Die International Energy Agency (IEA) geht von einem ähnlichen Anstieg in den kommenden Jahren aus und prognostiziert für 2030 einen Primärenergiebedarf von 70 Mtoe. [Wuppertal Institute /Adelphi Consult, 2009, 58]

Abbildung: Aufteilung des Primärenergieverbrauch in Algerien 2008 [IEA 2010]


Abbildung: Primärenergieverbrauch in Algerien 1971-2007 [IEA, 2010]

 

Tabelle: Primärenergieverbrauch Algerien 2001-2007 [Afrika auf einen Blick, 2010]



2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

Erdöl

Barrel/Tag

209.000

k.A.

k.A.

233.000

k.A.

279.800

k.A.

299.000

Erdgas

Mio. m³/a

22.320

k.A.

k.A.

19.280

k.A.

k.A.

26.300

26.830

 

 

Energieerzeugung und Ressourcen

 

Algerien ist Mitglied der OPEC und ist der drittgrößte Erdgasversorger Europas. Erdgas wird in großen Mengen über Pipelines nach Spanien und Italien in die EU exportiert. Bis 2015 sollen weitere Pipelines gebaut werden und der Anteil algerischen Erdgases in der EU von 10% auf 15% erhöht werden. Die Erdgas- und Erdölgewinnung Algeriens sind der wichtigste Wirtschaftsektor des Landes und ausschlaggebend für das hohe Bruttoinlandsprodukt. Die algerische Öl- und Gaswirtschaft trägt 98,5% zu den Deviseneinnahmen, mit über 35% zum BIP und zu rund 75-80% zu den Staatseinnahmen bei.

Die Erhöhung der Förderraten und der damit erwirtschafteten Einnahmen ist eines der politischen Ziele des Landes (Erhöhung der dauerhaften Ölproduktion von 1,4 auf 2,0 Mio. Barrel/Tag). In einem Investitionsprogramm des Ministeriums für Energie und Bergbau (MEM) wurden von 2005-2010 33 Mrd. US$ dafür zur Verfügung gestellt. In einem zweiten Investitionsprogramm sollen noch einmal rund 63 Mrd. US-Dollar in die Öl- und Gasindustrie fließen. Die Exporteinnahmen fließen u.a. ins Sozialsystem und werden zur Armutsbekämpfung genutzt.

Die Erdölressourcen Algeriens werden von der OPEC auf 12,3 Mrd. Barrel geschätzt (2005), die staatliche Erdölgesellschaft Sonatrach schätzt diese sogar auf 40 Mrd. Barrel. Die Erdgasreserven des Landes werden von der OPEC mit 4.580 Mrd. m³ angegeben. Die algerische Erdgasproduktion liegt international an zweiter Stelle nach dem Iran.

90% der Produktion entfallen auf die staatliche Erdölgesellschaft Sonatrach, der Rest überwiegend auf Algérie Total, Hispanoil und Medaloil.

Der algerische Kohlenwasserstoffsektor wurde im Jahr 2005 kurzzeitig liberalisiert, um ausländische Investoren anzuziehen. 2006 wurde die Liberalisierung wieder rückgängig gemacht, um den Sektor als staatliche Haupteinnahmequelle des Landes zu sichern. [Mattes, 2007]

 

Tabelle: Algeriens Erdgasproduktion und Deviseneinnahmen aus Kohlenwasserstoffexport [Mattes, 2007]

 

2003

2004

2005

2006

Erdgasproduktion in Mrd. m³

k.A.

82

89,2

k.A.

Deviseneinnahmen aus Kohlenwasserstoffexport in Mrd. US$

16,5

23,1

45,1

51,8

 

Die Kohlereserven des Landes sind sehr gering. Es verfügt über wenig schwer erschließbares eigenes Uran. Stromerzeugung aus Atomkraft ist in Planung und das Land unterstützt die Nuklearpläne Irans. [Wuppertal Institute / Adelphi Consult, 2009]

 

 

Endenergieverbrauch

 

Im Jahr 2005 lag der algerische Endenergieverbrauch bei 17 Mio. tep. Zwischen 2000 und 2005 betrug die mittlere jährliche Wachstumsrate des Endenergieverbrauchs in Algerien 5,68 %.

 

Tabelle: Endenergieverbrauch in Algerien nach Sektoren 2005 in ktep [MEM/APRUE, 2005]

Industrie

3.226

Haushalte

6.034

Tertiärsektor

1.013

Transport

5.536

Land-/Wasserwirtschaft

1.130

Gesamt

16.939

 

Abbildung: Endenergieverbrauch in Algerien nach Sektoren 2005 [MEM/APRUE, 2005]


In Algerien gab es im Jahr 2005 rund 5,7 Mio. Haushalte, von denen 62% im städtischen Bereich liegen. Im Mittel leben 6 Personen in einem Haushalt. 98% der Haushalte verfügen über einen Stromanschluss, 36% der Haushalte sind ans Erdgasnetz angeschlossen. Der mittlere jährliche Energieverbrauchs eines Haushaltes liegt bei 1,05 tep.

Im Tertiärsektor gibt es rund 4,4 Mio Angestellte. Der mittlere jährliche Energieverbrauch eines Angestellten liegt bei 0,231 tep. Der Energieverbrauch und v.a. der Stromverbrauch im Tertiärsektor wird in den nächsten Jahren voraussichtlich noch stark wachsen. 90% des Stromverbrauchs entfallen auf Beleuchtung und Klimatisierung.

Im industriellen Sektor entfallen 76% des Energieverbrauchs auf Fabrikationsprozesse, d.h. auf Gas für Öfen, Trocknungsanlagen, Heizungsanlagen u.a. 18% werden für motorische Antriebe, d.h. in Form von Strom benötigt. Der Energieverbrauch im industriellen Bereich verteilt sich wie folgt auf die Branchen:

 

Tabelle: Aufteilung des Endenergieverbrauch des industriellen Sektors in Algerien 2005 [MEM/APRUE, 2005]

Eisen- und Metall verarbeitende Industrie

14%

Baustoffe

55%

Chemische Grundstoffe

2%

Lebensmittelindustrie

6%

Verarbeitende Industrie

2%

Diverse Industrien

20%

 

Die genutzte landwirtschaftliche Fläche beträgt rund 8,7 Mio. ha. Davon werden ca. 625.000 ha bewässert. Im Jahr 2005 gab es dafür 161.772 Pumpen und Motorpumpen und es wurden 7.464 Bohrungen betrieben.

 

Abbildung: Endenergieverbrauch in Algerien nach Energieträgern 2005 [MEM/APRUE, 2005]

 

 

Strom

Aufgrund der zunehmenden Urbanisierung, des steigenden Lebensstandards und des Wachstums des Tertiärsektors hat der Stromverbrauch in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Auch für die kommenden Jahre kann von einem weiteren Anstieg ausgegangen werden. Bis 2017 wird ein jährlich steigender Stromverbrauch zwischen 7,8 und 9,1% prognostiziert [Hergenröther 2010, 40].

Im Jahr 2007 betrug die Stromerzeugung in Algerien rund 37 TWh und basiert in erster Linie auf dem Einsatz von Erdgas (97%). Erdöl (2%) und Wasserkraft (1%) tragen nur marginal zur Abdeckung des Strombedarfs bei.

Abbildung: Stromerzeugung in Algerien 1971-2007 [IEA, 2010]

 

Tabelle: Stromerzeugung Algerien nach Energieträgern 2001 [Afrika auf einen Blick, 2010]

Fossile Brennstoffe (Erdgas, Erdöl, Steinkohle u.a.)

99,7%

Wasserkraft

0,3%

 

Tabelle: Stromerzeugung und -verbrauch Algerien 2001-2007 [ONS, 2010]



2001

2002

2003

2004

Erzeugung

GWh

26.625

27.648

29.523

31.250

Davon Sonelgaz

GWh

26.256

27.403

29.192

30.885

Verkauf

GWh

21.901

22.977

24.936

25.910

 

Tabelle: Stromverbrauch in Algerien nach Sektoren 2005 [MEM/APRUE, 2005]

 

ktep

%

Industrie

528

25

Haushalte

807

38

Tertiärsektor

498

24

Transport

4

0

Land-/Wasserwirtschaft

266

13

Gesamt

2.104

100

 

In den Jahren 2008-2010 werden die Kraftwerkskapazitäten um 5.676 MW erhöht und für die Jahre 2013-2017 wird eine weitere Erhöhung von 800-1.200 MW benötigt [Hergenröther 2010, 41]. Bis 2030 soll eine regenerative Leistung von 22.000 MW aufgebaut werden, von der 12.000 MW für den Eigenbedarf und 10.000 MW für den Export bestimmt sind. Der Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien soll bis 2030 bei 40% liegen [MEM 2011, 4].

In Algerien liegt der Elektrifizierungsgrad der Haushalte bei 98%. Die Strompreise Algeriens liegen im internationalen Vergleich gesehen sehr niedrig (0,023-0,045 €/kWh im Haushaltssektor). Das niedrige Preislevel erklärt sich zum einen durch die Stromerzeugung aus dem landeseigenen Erdgas durch eine staatliche Gesellschaft. Zum anderen wurde der Stromsektor kurz nach der Unabhängigkeit des Landes subventioniert, um die sozialen Bedingungen zu verbessern. Aktuell verfolgt die Regierung das Ziel, die Strompreise an die realen Preise anzupassen. [Wuppertal Institue / Adelphi Consult 2009, 63] Die Strompreise werden aber weiterhin staatlich festgelegt. Die Regulierungsbehörde CREG kann Preis und Menge des zu produzierenden Stroms festlegen und erneuerbare oder hybride Produktionstechniken fördern. Erneuerbare Energien werden nach dem Décret N° 04-92 subventioniert.

Algerien verfügt über ein ausgedehntes Wechselstromnetz, durch das nicht nur die Küstenregionen, sondern auch das nahezu unbesiedelte Landesinnere erschlossen ist. Eigentümer und Netzbetreiber ist Sonelgaz.  Die Netzlänge beträgt 18.000 km, 1.300 km davon sind 400 kV-Übetragungsleitungen. Das Netz wird aktuell weiter ausgebaut und insbesondere Verbindungen zu den Nachbarländern Marokko, Tunesien und Lybien verstärkt. Zudem bestehen bereits seit Ende der 1990er Jahre Überlegungen zu Netzverbindungen mit Spanien und Italien. [Wuppertal Institute / CREAD 2010, 27]

 

Abbildung: Algerisches Stromnetz, Sonelgaz 2009 [Wuppertal Institute / CREAD]

 

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