Energieeffizienz in Zahlen

Aufgrund der hohen Verfügbarkeit von landeseigenen Ressourcen stand die Energieeffizienz in Algerien meist im Hintergrund. Beispielsweise lag der Gesamtwirkungsgrad des algerischen Kraftwerkparks im Jahr 2006 unter 30%. Der Gesamtwirkungsgrad des weltweiten Kraftwerkparks lag dagegen bereits bei 34% und in Europa bei 40%. Dies verdeutlicht das Energieeinsparpotenzial, das auf der Erzeugerseite zukünftig noch erschließbar ist.

Das höchste Einsparpotenzial ist, wie in den meisten Entwicklungsländern aber auf der Verbraucherseite und hier im Haushalts- und Dienstleistungssektor zu finden. In der Gegend um Algier liegt der jährliche Energiebedarf einer Wohnung bei 632 MJ/m². 46% des Energiebedarfs entfallen dabei auf die Beheizung, 22% auf Kochen, 13% auf die Warmwasseraufbereitung und 19% auf elektrische Anwendungen.

Im Haushaltssektor besteht ein großes Defizit im Bereich der Energieeffizienz. Traditionelle Brennstoffe wurden bisher nicht bzw. nur in geringem Maß durch neue, effiziente Brennstoffe ersetzt. Bei Haushaltsgeräten wie z.B. Kühlschränken wurde der Markt im Jahr 2002 noch von Geräten aus den Labelklassen C, B und G dominiert. Produkte zur Energieeinsparung im Gebäudebereich wie Dämmstoffe, 2-fach-verglaste Fenster, Energiesparlampen, energieeffiziente Geräte und Solaranlagen sind erst seit kurzem auf dem algerischen Markt zu finden. [Wuppertal Institute / Adelphi Consult 2009, 59]

 

Tabelle: Energieeffizienzindikatoren [MEM/APRUE 2005]

Energieintensität (BIP konst., außer Kohlenwasserstoffe)

0,591 toe/1.000 $

Energieintensität (BIP konst., mit Kohlenwasserstoffen

0,357 toe/1.000 $

Mittlerer Pro-Kopf-Energieverbrauch

0,694 toe/Einwohner

Emissionen durch Energieverbrauch

1,22 kg CO2eq/Einwohner

Emissionen durch Energieverbrauch

1,752 kg CO2eq/tep

 

Abbildung: Entwicklung der Energieintensität in Algerien in toe/1.000 $ [MEM/APRUE 2005]


In den Jahren 2000-2003 hat sich die Energieintensität in Algerien stabil auf 0,6 toe/1.000 $ eingependelt. In den darauf folgenden Jahren konnte sie dank einer besseren Ausnutzung der Kapazitäten in der Produktion auf 0,36 toe/1.000 $ gesenkt werden. [MEM/APRUE 2005]

 

Energieeffizienzpolitik

1999 wurde ein Gesetz zur Energieeinsparung (Gesetz Nr.99-09) erlassen, durch das neben der Energieeffizienz auch erneuerbare Energien, die Brennstoff substituieren, gefördert werden. Durch das Gesetz wird Energieeffizienz als öffentliches Interesse gewichtet und die folgenden Rahmenbedingungen für die Erhöhung der Energieeffizienz geschaffen:

  • Einrichtung einer Nationalen Agentur für Energieeffizienz (APRUE)
  • Einführung neuer Energieeffizienzstandards
  • Einführung eines Nationalen Programms zur Energieeffizienz
  • Einrichtung eines Energiemanagement-Fonds
  • Verpflichtung zur Kennzeichnung jedes neuen oder gebrauchten elektrischen Geräts, das innerhalb des Landes verkauft wird
  • Überwachung der Energieeffizienz
  • Einführung von vorgeschriebenen Energie-Audits
  • Unterstützung von Forschung und Entwicklung im Bereich der Energieeffizienz
  • Anreize zu Verbesserungen im Bereich der Energieeffizienz
  • Maßnahmen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit

2003 wurde zur Durchführung  des Gesetzes eine nationale Energieeffizienzpolitik beschlossen. Die Hauptelemente dieser Politik sind das Nationale Energieeffizienzprogramm (PNME), der Energiemanagement-Fonds (FNME) und das branchenübergreifende Energieeffizienzkomitee (CIME). Energieeeffizienz- und Erneuerbare-Energien-Projekte können durch einen Energiemanagement-Fonds abgedeckt werden, der v.a. auf Projekte im Haushalts- und Dienstleistungssektor ausgerichtet ist. [Wuppertal Institute / Adelphi Consult 2009, 64; Wuppertal Insitute / CREAD 2010, 32]

Im Frühjahr 2011 wurde weiterhin ein Programm für erneuerbare Energien und Energieeffizienz (PEnREE) verabschiedet. Im Programmteil für Energieeffizienz sind dabei folgende Bausteine vorgesehen:

  • Wärmedämmung an Gebäuden
  • Warmwasserbereitung mit Solarenergie
  • Einsatz von Energiesparlampen (bis 2020 Verbot von Glühbirnen und Fertigung von Energiesparlampen im eigenen Land)
  • Ersatz von Quecksilber durch Natrium in der Beleuchtung
  • Förderung von Energieberatungen und -einsparmaßnahmen in der Industrie
  • Verstärkter Einsatz von LPG und CNG im Transportsektor
  • KWK-Förderung
  • Wenn möglich Umrüstung von Kraftwerken auf GuD-Technik
  • Kühlung mit Solarenergie
  • Meerwasserentsalzung

Die Programmumsetzung erfolgt unter der Leitung des Ministeriums für Energie und Bergbau. Es können sich sowohl staatliche als auch private Akteure daran beteiligen. Daneben soll auch der Bereich Forschung und Entwicklung sowie das Bildungssystem im Bereich der Energieeffizienz ausgebaut werden.

Zur Förderung und Beschleunigung der Energieeffizienz sind weiterhin steuerliche Begünstigen unter anderem Abschläge bei den Zöllen und der Einfuhrumsatzsteuer für Bauteile, Rohstoffe und Halbfertigprodukte, die in die Herstellung von Anlagenteilen einfließen, vorgesehen [MEM 2011, 28].

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