Eneuerbare Energien

 

Inhalt

 

 

Der Markt für erneuerbare Energien ist in Algerien kaum entwickelt und das Interesse an deren Ausbau steht bei vielen Akteuren im Hintergrund. Ursache dafür sind die hohen landeseigenen Erdgas- und Erdölvorkommen und die niedrigen Energiepreise. [Wuppertal Institute / CREAD 2010] Im Jahr 2005 wurden lediglich 0,028% des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt.

Um die landeseigenen Ressourcen zu schonen, damit die Haupteinnahmequelle des Landes, langfristig die Energieversorgung abzusichern und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes zu fördern (z.B. durch den Aufbau von Arbeitsplätzen), stellt die Energie- und Umweltpolitik jedoch einen Eckpfeiler der algerischen Politik dar. Im Frühjahr 2011 wurde eigens dafür ein Programm für erneuerbare Energien und Energieeffizienz (PEnREE) verabschiedet. Es ist vorgesehen, bis 2030 eine regenerative Leistung von 22.000 MW aufzubauen, von der 12.000 MW für den Eigenbedarf und 10.000 MW für den Export bestimmt sind. Der Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zur Abdeckung des nationalen Bedarfs soll bis 2030 bei 40% liegen. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf dem Ausbau der Solarenergie und auf der Ansiedlung landeseigener Produktionskapazitäten zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur regionalen Wertschöpfung.

2011 bis 2013 sollen zur Technologieerprobung erste Pilotanlagen errichtet werden (110 MW). 2014 bis 2015 wird mit dem Aufbau der programmierten Kapazitäten begonnen (650 MW) und 2016 bis 2020 ist die breit angelegte Umsetzung vorgesehen (2.600 MW für Export, 2.000 MW für Eigenproduktion). Für den Ausbau der erneuerbaren Energien wird ein Kommissariat für erneuerbare Energien eingerichtet, dass den Ausbau koordinieren soll. Der Bereich Forschung und Entwicklung sowie das Bildungssystem im Bereich der erneuerbaren Energien soll ebenfalls ausgebaut werden [MEM 2011, 9]

Erneuerbare Energien bieten auch eine Möglichkeit zur Stromversorgung von Siedlungen im dünn besiedelten Süden des Landes, für die sich die Anbindung an das nationale Stromnetz nicht lohnt. Durch die Energieversorgung mit Inselsystemen kann in diesen Regionen das wirtschaftliche und soziale Wachstum gefördert werden. Ein Programm zur ländlichen Elektrifizierung aus dem 10 Mio. € für Photovoltaik-Inselanlagen bereit gestellt werden sollen, ist in Vorbereitung. Zudem werden dezentrale Dieselkraftwerke seit 2008 zu Hybridkraftwerken (mit Wind und Solar) ausgebaut [AHK 2010, 3].

 

Gesetzlicher Rahmen

Um die politischen Ziele im Bereich der erneuerbaren Energien zu erreichen, wurden zunächst die entsprechenden politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen sowie Förderprogramme erarbeitet.

1999 wurde ein Gesetz zur Energieeinsparung (Gesetz Nr. 99-09) erlassen, durch das auch die erneuerbaren Energien gefördert werden. Erneuerbare-Energien-Projekte können durch einen Energiemanagement-Fonds abgedeckt werden, der v.a. auf Projekte im Haushalts- und Dienstleistungssektor ausgerichtet ist.

Im Jahr 2002 wurde der algerische Stromsektor durch das Gesetz Nr.02-01 liberalisiert und im Erzeugungsbereich für private Investoren geöffnet.  Durch dieses Gesetz wird die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und die Integration des erzeugten Stroms in das öffentliche Netz ermöglicht und gefördert. Für den Bau einer Stromerzeugungsanlage wird allerdings auch weiterhin die Genehmigung vom Energieministerium (MEM) oder der Regulierungsbehörde (CREG) benötigt. Eine Ausnahme bilden dabei Anlagen zur Abdeckung des Eigenbedarfs < 25 MW.

2008 wurden Konzessionen für Strom- und Gastransport eingeführt, die aber weitestgehend in der Hand von Sonelgaz geblieben sind. Zahlreiche der vorgesehenen Umstrukturierungen des Stromsektors haben bisher noch nicht stattgefunden (z.B. Einführung eines unabhängigen Marktregulierers).

2004 wurde ein Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien erlassen (Gesetz Nr.04-09), durch das ein Nationales Programm zur Förderung erneuerbarer Energien eingeführt wurde. Weiterhin ist durch das Gesetz die Gründung einer nationalen Behörde zur Beobachtung der Entwicklung Erneuerbarer Energien (Observatoire national des énergies renouvelables) vorgesehen.

Im Frühjahr 2011 wurde weiterhin ein Programm für erneuerbare Energien und Energieeffizienz (PEnREE) verabschiedet. Es ist nun vorgesehen, bis 2030 eine regenerative Leistung von 22.000 MW aufzubauen, von der 12.000 MW für den Eigenbedarf und 10.000 MW für den Export bestimmt sind.

Unabhängig von dem Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien (Gesetz Nr.04-09) wurde im Jahr 2004 ein Verordnung erlassen, in der Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien und Stromerzeugung aus KWK-Anlagen festgeschrieben sind (Verordnung Nr. 04-92). Die Einspeisevergütungen werden in der Praxis derzeit nicht ausgezahlt (Stand 11/2010).

Der hier beschriebene gesetzliche Rahmen lässt darauf schließen, dass die algerische Erneuerbare-Energien-Politik sehr fortschrittlich im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern ist. Bisher haben die neuen Gesetze und auch die Einspeisevergütung aber noch keine Wirkung entfaltet. Projekte in diesem Bereich werden bisher nicht von privaten Investoren, sondern immer aus öffentlichen Geldern der algerischen Regierung oder von internationalen Institutionen finanziert. Für die Einspeisevergütung steht die Festlegung des Grundtarifs, aus dem sich die Höhe der Einspeisevergütung berechnet, aus. Aufgrund der niedrigen Gaskosten und des daraus resultierenden niedrigen Strombasispreises werden Erneuerbare-Energien-Anlagen voraussichtlich nicht wirtschaftlich zu betreiben sein, es sei denn der Strom wird in das europäische Stromnetz eingespeist. Die algerische Regierung diskutiert infolgedessen bereits die Novellierung des Gesetzes zur Förderung erneuerbarer Energien (Gesetz Nr.04-09), die jedoch voraussichtlich erst in einigen Jahren durchgeführt wird. Bis dahin soll die Lücke durch das Finanzgesetz 2010 (Loi de finances) geschlossen werden, in dem ein Fonds für Erneuerbare Energien vorgesehen wurde.

Zur Förderung und Beschleunigung des Ausbaus der erneuerbaren Energien sind weiterhin steuerliche Begünstigen unter anderem Abschläge bei den Zöllen und der Einfuhrumsatzsteuer für Bauteile, Rohstoffe und Halbfertigprodukte, die in die Herstellung von Anlagenteilen vorgesehen. [Wuppertal Institute / CREAD 2010, MEM 2011, 28]

 

Geographische Rahmenbedingungen

 

Algerien befindet sich in Nordwestafrika zwischen dem 19. und dem 37. nördlichen Breitengrad und dem 8. und 12. östlichen Längengrad und umfasst eine Fläche von ca. 2.381.000 km2. Die Mittelmeerküste erstreckt sich im Norden Algeriens über ca. 1.000 km. Das Land teilt sich in zwei geographische Zonen: der mediterrane Norden des Landes, der durch das Atlasgebirge, damit durch das Bergklima und das gemäßigte Mittelmeerklima geprägt ist, und der Süden des Landes, der durch die Sahara und damit das Wüstenklima geprägt ist.

Das Land wird im Süden von der Wüste dominiert (82% der Fläche) und verfügt nur über relativ wenig Weide- (13%), landwirtschaftliche (3%) und Waldflächen (2%). [Afrika auf einen Blick, 2010]

Die mittlere Globalstrahlung liegt zwischen 1.700 und 2.650 kWh/m². [Le Maghreb, 2010]

 

 

Wasserkraft

Rund 2% des Strombedarfs werden durch Wasserkraft abgedeckt. Die installierte Leistung liegt bei 259 MW. Der geringe Anteil der Wasserkraft an der Stromproduktion ist zum einen auf das niedrige Potenzial des Landes zurück zu führen, zum anderen werden die verfügbaren Ressourcen nur wenig genutzt. [Liberté 2010]

Das wirtschaftlich erschließbare Potential an Wasserkraft wurde vom DLR mit 0,5 TWh/a bei 1.000 Vollbenutzungsstunden abgeschätzt. Das Potenzial von Kleinwasserkraftanlagen ist nur sehr gering. [Wuppertal Institute / Adelphi Consult 2009, 56]

Die Einspeisevergütung des Stroms aus Wasserkraft ist in der Verordnung Nr. 04-92 geregelt und liegt bei 100 % des üblichen Strompreises (0,023-0,045 €/kWh im Haushaltssektor). Die Einspeisevergütungen werden in der Praxis derzeit nicht ausgezahlt (Stand 11/2010).

 

Windkraft

Algerien verfügt über ein hohes Windenergiepotenzial. Die mittlere Windgeschwindigkeit liegt im Süden des Landes über 4 m/s und um Adrar über 6 m/s. So werden im Mittel etwa 4.000 Stunden pro Jahr erreicht. Im Norden liegen die Windgeschwindigkeiten des Landes meist niedriger. Nur vereinzelt finden sich aufgrund des Mikroklimas höhere Windgeschwindigkeiten (Oran, Béjaia, Annaba). Die Windgeschwindigkeiten variieren übers Jahr: im Frühling werden meist die höchsten Windgeschwindigkeiten erreicht, im Herbst und Winter die niedrigsten [Hamane, 2003 / Bensaad 2007].

Das wirtschaftlich erschließbare Potenzial Algeriens, in Regionen mit ausreichend Wind in denen auch eine Netzanbindung möglich ist, wird auf 38 TWh [Kasbadja Merzouk 2009] pro Jahr geschätzt, bzw. vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt auf 35 TWh bei 1.789 Vollbenutzungsstunden pro Jahr [Wuppertal Institute / Adelphi Consult 2009, 56].

Abbildung: Mittlere Windgeschwindigkeiten in 10 m Höhe in Algerien [Bensaad 2007]

 

Ende September 2008 wurde der erste Windpark Algeriens im Südwesten des Landes in Tindouf mit einer Leistung von 10 MW ausgeschrieben. Mitte Januar 2010 wurde der Vertrag über 30 Mio. Euro mit dem französischen Anlagenbauer Vergnet unterzeichnet. Bis 2012 soll der Park ans Netz gehen.

Bis 2030 soll 3% des erzeugten Stroms aus Windkraft stammen. Dafür wird bis 2013 auch in Adrar ein Windpark mit 10 MW errichtet werden. Bis 2015 sollen zwei weitere Anlagen mit je 20 MW installiert werden. Von 2016 bis 2030 soll die Windkapazität auf 1.700 MW vergrößert werden. Neben dem Anlagenbau sollen Produktionskapazitäten geschaffen werden, die die landeseigene Nachfrage bis 2020 bis zu 50% und bis 2030 bis zu 80% abdecken können [MEM 2011, 21].

Die Einspeisevergütung des Stroms aus Windkraft ist in der Verordnung Nr. 04-92 geregelt und liegt bei 300% des üblichen Strompreises (0,023-0,045 Euro/kWh im Haushaltssektor). Die Einspeisevergütung für Wind ist damit die höchste Einspeisevergütung für erneuerbare Energien in Algerien [Wuppertal Institute / Adelphi Consult 2009, 64]. Die Einspeisevergütungen werden in der Praxis derzeit allerdings nicht ausgezahlt (Stand 11/2010).

Weiterhin werden dezentrale Dieselkraftwerke seit 2008 zu Hybridkraftwerken (mit Wind und Solar) ausgebaut [AHK 2010, 3].

In der Hochebene gibt es einige Projekte, bei denen Windräder zum Wasserpumpen genutzt werden. Das Energie- und Kosteneinsparpotenzial im Vergleich zu brennstoffbetriebenen Pumpen liegt hier sehr hoch. Es wird davon ausgegangen, dass im Süden des Landes rund 15.000 Brunnen mit Windrädern ausgestattet werden könnten [Bensaad 2007, 3].

 

Solarenergie

Algerien befindet sich im Sonnengürtel der Erde und verfügt damit über ein sehr hohes Potenzial an Solarenergie (> 5 Mrd. GWh/Jahr). Die mittlere Sonnescheindauer liegt bei rund 2.600 Stunden pro Jahr im Norden des Landes und bei 3.600 Stunden im Süden des Landes. Die mittlere Globalstrahlung liegt zwischen 1.700 und 2.650 kWh/m² [Le Maghreb 2010a].

 

Tabelle: Solarenergiepotenzial Algeriens [Dena 2007, 14]

Region

Fläche in %

Anzahl Sonnenstunden

im Jahr

Durchschnittliche Globalstrahlung in kWh/m² und Jahr auf horizontale Fläche

Küstengebiet

4

2.650

1.700

Hochebene

10

3.000

1.900

Sahara

86

3.500

2.650

 

Bis 2030 soll 37% der Stromerzeugung aus Solarenergie stammen [MEM 2011].

Abbildung: Direkte Solarstrahlung Juli 2001 in Algerien [Derbal 2007]

 

Weitere Strahlungskarten [Dena 2007]

 

Solarthermie

Solarthermische Systeme zur Warmwassererzeugung werden bisher nur sporadisch genutzt. Insgesamt ist übers Land verteilt eine Fläche von etwa 1.000 m² Solarkollektoren installiert [Wuppertal Institute / Adelphi Consult 2009, 58]. Die Produkte werden dabei vor allem aus Frankreich importiert. Seit Januar 2007 wird der Kauf einer solarthermischen Anlage zu 50% aus dem nationalen Energieeffizienzprogramm (PNME) gefördert [Dena 2007, 12].

Die APRUE will noch im Jahr 2010 mit der Unterstützung des „Mediterranean Renewable Energy programm“ (MEDREP) ein Programm zur finanziellen Förderung von solarer Warmwassererzeugung auflegen. Dabei sind die Ausstattung von 5.500 Haushalten mit Warmwasserbereitern und die Errichtung von 16.000 m² Kollektoren im Dienstleistungssektor geplant. Die Anschaffungskosten der Haushalte sollen zu über 40% subventioniert werden. Im Dienstleistungssektor sind Subventionen von 50% vorgesehen. Das Programm umfasst weitere Finanzierungshilfen und der Bankensektor soll für entsprechende Investitionen sensibilisiert werden [AHK 2010, 39 ff.].

Daneben ist auch im Programm für erneuerbare Energien und Energieeffizienz (PEnREE) der Ausbau der Warmwasserbereitung mit Solarstrom vorgesehen [MEM 2011, 14].

 

Photovoltaik

Abgelegene Siedlungen im Süden des Landes, bei denen sich die Anbindung ans nationale Stromnetz nicht rentiert, sollen durch PV-Inselsysteme versorgt werden. Dadurch kann in diesen Regionen das wirtschaftliche und soziale Wachstum gefördert werden. Ein Programm zur ländlichen Elektrifizierung aus dem 10 Mio. Euro für PV-Inselanlagen bereitgestellt werden, ist in Vorbereitung. Zudem werden dezentrale Dieselkraftwerke seit 2008 zu Hybridkraftwerken (mit Wind und Solar) ausgebaut [Le Maghreb 2010a].

Von 1998 bis 2000 wurden im Rahmen eines ähnlichen Programms bereits 18 Dörfer (etwa 1.000 Haushalte) mit PV-Inselsystemen ausgestattet. Bis 2002 lag die installierte Leistung bei 453 kW. Die Akzeptanz für die Anlagen ist sehr groß, da nur selten Störfälle auftreten.

Ende 2006 lag die installierte PV-Leistung bei 2,3 MW. Neben der Stromversorgung von Haushalten und öffentlichen Gebäuden wird die Technologie auch für Pumpstationen, Telekommunikationsanlagen und öffentliche Beleuchtung eingesetzt [Dena 2007, 21].

Im Rahmen des „Wirtschaftsförderprogramms 2010-2014“ sollen Photovoltaikanlagen in 16 Dörfern und 3.000 Haushalten in den Hochebenen Algeriens gebaut werden. Zudem soll die Stromversorgung von Gendarmerie-Stützpunkten in Südalgerien mit Photovoltaik erfolgen. In Planung befindet sich Naftal (Stromversorgung von Tankstellen) und die Beleuchtung von Autobahnstrecken (Pilotprojekt: Autobahn-Rocade Algier) [Hergenröther 2010, 36].

Das wirtschaftlich erschließbare Potenzial wurde vom DLR mit 13,9 TWh/a bei einer horizontalen Solarstrahlung von 1.970 kWh/m²*a abgeschätzt. Es wird davon ausgegangen, dass die installierte PV-Leistung bis ins Jahr 2015 auf 5 MW ansteigen wird [Wuppertal Institute / Adelphi Consult 2009, 56]. Durch das neu aufgelegte Programm für erneuerbare Energien soll der Ausbau auf ca. 800 MW bis 2020 beschleunigt werden. Von 2021 bis 2030 ist ein Zubauvon rund 200 MW pro Jahr vorgesehen [MEM 2011, 10].

Neben dem Anlagenbau wird ein eigener Wirtschaftszweig geschaffen, der die landeseigene Nachfrage bis 2013 zu 60% und bis 2020 bis zu 80% abdecken kann. Danach ist ein weiterer Ausbau bis hin zum Export geplant. Die Gruppe Sonelgaz sieht derzeit eine Produktionsanlage für Photovoltaikmodule mit einer Produktionskapazität von 120 MW in Rouiba vor. Die Produktion wird Ende 2013 in Betrieb gehen. Bis 2020 ist weiterhin eine Silizium-Anlage geplant. Daneben soll sich ein Netzwerk für Zulieferer weiterer Komponenten und Leistungen (Planung, Ausführung, Wechselrichter, Batterien, Kabel, etc.) aufbauen. Der Aufbau einer Prüfbehörde für die Anlagen und die Einrichtung einer Entwicklungsanstalt für Silizium-Technik sind ebenfalls vorgesehen [MEM 2011, 18 ff.].

Die Einspeisevergütung des Stroms aus Solarenergie ist in der Verordnung Nr. 04-92 geregelt und liegt bei 300% des üblichen Strompreises (0,023-0,045 Euro/kWh im Haushaltssektor). [Wuppertal Institute / Adelphi Consult 2009, 64]. Die Einspeisevergütungen werden in der Praxis derzeit allerdings nicht ausgezahlt (Stand 11/2010).

 

Solarthermische Kraftwerke

Solarstrom aus Solarthermischen Kraftwerken soll zukünftig zur Abdeckung des steigenden landeseigenen Energiebedarfs genutzt und mittel- bis langfristig auch nach Europa exportiert werden (Desertec-Projekt) [LibertéAlgérie 2009]. Das wirtschaftlich erschließbare Potenzial wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit 168.972 TWh/a bei einem Ertrag von 2.700 kWh/m²*a abgeschätzt [Wuppertal Institute / Adelphi Consult 2009, 56].

In Algerien wird derzeit das weltweit erste Solar-Gas-Hybridkraftwerk mit einer Leistung von 150 MW errichtet. Die Solarenergie wird durch Parabolrinnenkollektoren gewonnen und liegt bei 25 MW. Das Kraftwerk befindet sich bei Hassi R’mel, etwa 420 Kilometer südlich der Hauptstadt Algier. Es soll August 2010 in Betrieb gehen [LibertéAlgérie 2009]. Die Anlage wird von Abengoa, einem internationalen Unternehmen, das Erneuerbare-Energien-Anlagen betreibt, und der algerischen Agentur für erneuerbare Energien (NEAL) betrieben [Wuppertal Institute / Adelphi Consult, 2009, 63]. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) führt an dem Kraftwerk gemeinsam mit der NEAL Forschungs- und Entwicklungsprojekte durch [DLR 2008].

Bis 2013 ist die Errichtung zwei weiterer Pilotanlagen mit einer Speicherleistung von je 150 MW geplant. Von 2016 bis 2020 werden vier Solarkraftwerke mit insgesamt rund 1.200 MW folgen. Von 2021 bis 2023 sind 500 MW pro Jahr und bis 2030 600 MW pro Jahr vorgesehen.

Neben dem Anlagenbau sollen Produktionskapazitäten geschaffen werden, die die landeseigene Nachfrage bis 2020 bis zu 50% und bis 2030 bis zu 80% abdecken können [MEM 2011, 19 ff.]. Die Einspeisevergütung des Solarstroms aus den Hybridkraftwerken ist in der Verordnung Nr. 04-92 geregelt und richtet sich nach dem Anteil der Solarenergie an der Stromerzeugung. Die Einspeisevergütungen werden in der Praxis derzeit allerdings nicht ausgezahlt (Stand 11/2010).

 

Tabelle: Einspeisevergütung für Strom aus Solar-Hybridkraftwerken [Wuppertal Institute / Adelphi Consult 2009, 63]

Anteil Solarenergie

Einspeisevergütung (% des üblichen Strompreises (0,023-0,045 €/kWh im Haushaltssektor)

0-5 %

0%

5-10 %

100 %

10-15 %

140 %

15-20 %

160 %

20-25 %

180 %

25 % +

200 %

 

Aufgrund der Wasserknappheit in Algerien ist beim Betrieb von Solarkraftwerken vor allem auch die Kombination mit Meerwasserentsalzungsanlagen von Interesse. Aktuell befinden sich 12 Anlagen zur Meerwasserentsalzung in Planung, von denen sich einige bereits in Betrieb, Bau oder Ausschreibungsphase befinden. Insgesamt soll ein Produktionsvolumen von 1,2 Mio. m³/Tag erreicht werden [Dena 2070, 19].

Das Solarinstitut Jülich (SIJ), die IATech GmbH, die Kraftanlagen München und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) erstellen zurzeit eine Machbarkeitsstudie für den Bau eines Solarturmkraftwerkes in Algerien (Blida) [Ökonews 2009].

 

Biomasse

Wie auch in Marokko, beschränkt sich die nachhaltige Biomassenutzung in Algerien vor allem auf Abfälle und Abwasser. Das Potenzial wird mit 1,33 Mtoe bzw. das ökonomisch erschließbare Potenzial zur Stromerzeugung vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit 12,1 TWh/a (landwirtschaftliche und kommunale Abfälle, feste Biomasse) abgeschätzt [Liberté 2010a, Wuppertal Institute / Adelphi Consult 2009, 56].

Das CDER betreibt seit Ende 2001 eine Versuchsanlage zur Vergasung von Rindergülle mit 800 Litern [Igoud 2002, 2].

Gräser stehen in Algerien nur in sehr kleinen Mengen zur Verfügung (~0,1 tTS/ha*a) und dienen vor allem als Tierfutter [Chehma 2008].

Weiterhin steht Waldholz als energetische Biomasse zur Verfügung. Das Potenzial wird mit 37 Mtoe abgeschätzt, von denen nur ca. 3,7 Mtoe für eine nachhaltige Nutzung zur Verfügung stehen [Liberté 2010a].

Es bestehen Überlegungen, aus den Resten und Überschüssen der Dattelproduktion Bioethanol herzustellen, der dem Kraftstoff beigefügt werden kann. Die erzielbaren Mengen werden jedoch als sehr gering angesehen [Benachour 2006].

Die Einspeisevergütung des Stroms aus Abfällen ist in der Verordnung Nr. 04-92 geregelt und liegt bei 200% des üblichen Strompreises (0,023-0,045 Euro/kWh im Haushaltssektor) [Wuppertal Institute / Adelphi Consult 2009, 64]. Die Einspeisevergütungen werden in der Praxis derzeit nicht ausgezahlt (Stand 11/2010).

 

Geothermie

Der jurassische Kalkstein im Norden Algeriens stellt ein großes geothermisches Reservoir dar. Dem Gestein entspringen mehr als 200 geothermale Quellen, die sich überwiegend im Nordwesten und Nordosten des Landes befinden. Die Quelltemperaturen liegen meist über 40°C. Die heißeste Quelle (Hammam Meskhoutine) weist eine Temperatur von 96°C auf. Die natürliche Schüttleistung liegt meist schon bei mehr als 2 m³/s.

Weiter im Süden des Landes erstreckt sich großflächig die „nappe albienne“ (artesische Grundwasserschicht der interkontinentalen Grenzschicht). Brunnenbohrungen in diesem Gebiet resultierten in einer Schüttleistung von mehr als 4 m³/s mit einer mittleren Wassertemperatur von 57°C [Fekraoui 2003]. Der mittlere Temperaturgradient liegt hier bei 3°C/100m. Im Osten gibt es eine thermische Anomalie. Der Temperaturgradient steigt hier auf 3-4°C/100m an. Im Becken von Béchar liegt der Temperaturgradient mit mehr als 7°C/100m ungewöhnlich hoch [Ouali 2010].

Die Quelltemperaturen in Algerien liegen also im Nieder- bis Mitteltemperaturbereich. Sie eignen sich also vor allem für die Niedertemperaturwärmenutzung (z.B. Trocknung landwirtschaftlicher Produkte, Beheizung von Gewächshäusern oder Fischzuchten). Nur wenige Standorte kommen für die Stromerzeugung mit einer ORC-Anlage in Frage.

1984 wurde die erste geothermale Quelle für die Beheizung des Hammam Meskhoutine verwendet. Später wurden Erdwärme aus der „nappe albienne“ in Ouargla und Touggourt erfolgreich für die Beheizung von Gewächshäusern (18 Stück, 7.200 m²) genutzt.

Im Jahr 2003 wurde ein Geothermieatlas für den Norden des Landes erstellt. [Fekraoui 2003] Das ökonomisch erschließbare Potenzial zur Stromerzeugung  wird vom DLR mit 4,7 TWh/a abgeschätzt [Wuppertal Institute / CREAD 2010, 21].

Die Einspeisevergütung des Stroms aus geothermischen Anlagen ist in der Verordnung Nr. 04-92 geregelt [Wuppertal Institute / Adelphi Consult 2009, 64]. Die Einspeisevergütungen werden in der Praxis derzeit allerdings nicht ausgezahlt (Stand 11/2010).

 

Abbildung: Geothermische Potenziale in Algerien [Fekraoui, 2003]

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